Chronik
1. Juli 1961
Auf einer außerordentlichen Sitzung des SED-Politbüros in Ost-Berlin informiert Walter Ulbricht darüber, dass das Präsidium der KPdSU seinen Vorschlag angenommen hat, eine Tagung des Politisch-Beratenden Ausschusses der Warschauer-Pakt-Staaten in Moskau einzuberufen. Sie soll allerdings nicht mehr im Juli, wie ursprünglich von Ulbricht anvisiert, sondern Anfang August stattfinden.
In einer Rundfunkansprache bietet der Minister für gesamtdeutsche Fragen, Ernst Lemmer, der DDR Hilfe zur Überwindung der Versorgungskrise an: "Die Bereitschaft der Bundesregierung besteht, und sie wird sich auch nicht durch Verleumdungen abhalten lassen, unverzüglich Lebensmittel zur Verfügung zu stellen, damit für unsere Landsleute in der Zone der Anschluss an eine neue Ernte gewonnen werden kann. Darum appelliere ich an die Verantwortlichen in Ost-Berlin, das faire und großzügige Angebot der Bundesregierung, das mit keinerlei politischen Bedingungen verknüpft ist, alsbald anzunehmen. Um die Annahme zu erleichtern, haben wir alles unterlassen, was die zonale Regierung in Verlegenheit bringen könnte. Diese Beschränkung haben wir uns auferlegt, obwohl gewiß manches über die Ursache der Versorgungskrise gesagt werden könnte." In Ost-Berlin behaupte man, dass dieses Angebot nur ein Propagandaschwindel sei. Man brauche doch nur die Probe aufs Exempel zu machen - und werde sehen, daß die Bundesregierung zu ihrem Wort stehe.
Das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" veröffentlicht anlässlich des "Tages der Volkspolizei" einen Tagesbefehl des Ministers des Innern, Karl Maron (SED), in dem es heißt: "Die bewaffneten Organe des Ministeriums des Innern tragen für den Schutz unseres Arbeiter-und-Bauern-Staates eine große Verantwortung. Sie müssen auch weiterhin wachsam und bereit sein, jede Provokation der westdeutschen Militaristen und Revanchisten gebührend zurückzuweisen und im Keim zu ersticken."


