Chronik
10. Juli 1961
Der Propst zu Berlin, Heinrich Grüber, wendet sich in einem offenen Brief an den Ost-Berliner Polizeipräsidenten Eickemeyer gegen das Verbot des Kirchentages in Ost-Berlin. Grüber, in der NS-Zeit Mitglied der Bekennenden Kirche und von 1940 bis 1943 in den KZs Dachau und Sachsenhausen inhaftiert, weist die Begründung, der Kirchentag diene dem Kalten Krieg, als Verleumdung zurück: "Wir alle sahen in dem Kirchentag eine Möglichkeit, die Kluft in Deutschland zu überbrücken und Menschen aus Ost und West wie aus der ganzen Welt in der einzigen Stadt zusammenzuführen, in der das noch möglich ist, und das ist ja vorläufig Berlin. Was die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik in ihren Verlautbarungen immer theoretisch fordert, das wollten wir praktisch durchführen. Wir sind Männer, die bereit sind, für diese ihre Überzeugung, der Wiedervereinigung und dem Frieden zu dienen, jedes Opfer zu bringen, wie wir ja auch in der Vergangenheit unsere Einsatz- und Opferbereitschaft unter Beweis gestellt haben."
Mit der Bemerkung, dass Brandts Vorschlag einer Friedenskonferenz mit allen 52 Ländern, die am Kriege teilnahmen, mitten im bundesdeutschen Wahlkampf gefallen sei, lehnt US-Außenminister Dean Rusk eine Stellungnahme dazu ab.


