Chronik
14. Juli 1961
In der Zeit vom 14. Juli 1961, 8.00 Uhr, bis 15. Juli 1961, 8.00 Uhr, werden im Flüchtlingslager Berlin-Marienfelde 680 Flüchtlinge registriert.
Im Notaufnahmelager Marienfelde in West-Berlin berichtet ein 24-jähriger Maschinenschlossers aus Thüringen über seine Fluchtmotive: "Differenzen mit der sowjetischen Besatzungsmacht. Ich habe zu Angehörigen der Besatzungsmacht gesagt, sie sollten machen, dass sie nach Hause gehen und sollten Ulbricht gleich mitnehmen. Das hat einer von der SED gehört, welcher mir drohte, ich würde bald keine Gelegenheit mehr haben, solche Äußerungen in der Öffentlichkeit zu machen. Da habe ich es vorgezogen, aus der Zone zu verschwinden."
In einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" über den anschwellenden Flüchtlingsstrom und das Notaufnahmelager Marienfelde heißt es abschließend, Marienfelde sei zum "Losungswort in der Zone" geworden. Es gehe der Witz um, "dass die Kinder in Mitteldeutschland drei Worte zuerst lernten: Mama, Papa und Marienfelde."
Der sowjetische Botschafter in Washington, Michail Menschikow, verleiht bei einem diplomatischen Empfang in Washington seiner Überzeugung Ausdruck, dass das amerikanische Volk, wenn es Farbe bekennen müsse, nicht für Berlin kämpfen werde.


