Chronik

21. Juni 1961

Moskau: Zum 20. Jahrestag des Überfalls Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion hält der sowjetische Ministerpräsident Nikita Chruschtschow im Kreml eine Rede. Darin fordert er erneut den Abschluss eines Friedensvertrages und prangert die "westdeutschen Revanchisten" an, die sich den sowjetischen Vorschlägen widersetzten. An Bundeskanzler Adenauer gerichtet, sagt Chruschtschow: "Wenn Sie uns aber wirklich mit einem Krieg drohen, so fürchten wir diese Drohung nicht. Entfesseln Sie einen Krieg, so wird das für Sie Selbstmord bedeuten."

Um die "souveränen Rechte der Deutschen Demokratischen Republik" zu gewähren, fordert der sowjetische Ministerpräsident, West-Berlin in eine Freie Stadt umzuwandeln und so die alliierte Kontrolle der Stadt zu beenden: "Für Westberlin schlagen wir den Status einer Freien Stadt vor. Wir haben es gar nicht im Sinne, die soziale und politische Ordnung Westberlins zu ändern. Das ist eine interne Angelegenheit seiner Bevölkerung. Weder die Sowjetunion noch die Deutsche Demokratische Republik haben die Absicht, die Verbindungen Westberlins mit allen Ländern der Welt einzuschränken.(...) Man darf aber nicht erwarten, die Sowjetunion werde sich damit einverstanden erklären, dass die territoriale Integrität der Deutschen Demokratischen Republik beeinträchtigt, dass ihre Souveränität geschmälert werde."

Bonn: Bundesaußenminister Heinrich von Brentano reagiert auf diese Rede Chruschtschows einige Tage später mit der Äußerung: "Berlin darf nicht fallen, wenn die freie Welt nicht ihre Glaubwürdigkeit verlieren will." Man müsse damit rechnen, dass starke Kräfte in der Sowjetunion am Werke seien, die bereit seien, auch Aktionen ins Auge zu fassen, die zur weltpolitischen Katastrophe führen könnten.