Chronik

23. Juni 1961

Das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" veröffentlicht den "Aufruf an alle Genossenschaftsbäuerinnen und Genossenschaftsbauern, Landarbeiter und Traktoristen, an alle Mitglieder der in der Nationalen Front vereinigten Parteien und Massenorganisationen, an die örtlichen Volksvertretungen, ihre Räte und deren Mitarbeiter, an die gesamte Dorfbevölkerung". Darin wenden sich das ZK der SED, der Ministerrat der DDR und das Präsidium des Nationalrats der Nationalen Front an die gesamte Landbevölkerung der DDR mit der Aufforderung, alle Rückstände in den Feldarbeiten, die durch die ungünstige Witterung entstanden sind aufzuholen und alle Kräfte für die Einbringung der Ernte anzuspannen.

Die katastrophale Lage der Landwirtschaft im Jahr nach dem Abschluss der Zwangskollektivierung wird aus den Empfehlungen des Aufrufs ersichtlich, auf den noch nicht bestellten Ackerflächen Grünmais und Hülsenfrüchte anzubauen. Dort, wo der Anbau von Kartoffeln nicht mehr möglich sei, sollten Zuckerrüben für Futterzwecke, Kohl oder Kohlrüben gesät oder gepflanzt werden.

Die Regierung appelliert an die Landbevölkerung, bei der Heuernte "jede Stunde zu nutzen". Gleichzeitig untersagt sie den Funktionären und der Partei auf dem Lande, durch "Administrieren und Kommandieren" die Initiative der ländlichen Bevölkerung bei der Arbeit zu hemmen. Der Aufruf schließt mit den Worten: "Jede Stunde, jeder Quadratmeter Land sind kostbares Gut. Die ganze Dorfbevölkerung hilft mit. Die Genossenschaftsbauern und Landarbeiter handeln nach dem Gebot: der Plan wird übererfüllt."