Chronik
28. August 1961
Der Präsident der Ost-Berliner Volkspolizei befiehlt, dass die Anordnung des Innenministers, die Bevölkerung in einem Abstand von 100 Metern von der Grenze zu halten, konsequent durchzusetzen sei. "Im gesamten Bereich der Staatsgrenze, insbesondere an den Kontrollpunkten", so lautet der Befehl weiter, "ist jegliche Verbindungsaufnahme, Winken, Gruß- oder Briefaustausch sowie die Übergabe von Geschenken usw. zwischen der Bevölkerung Westberlins und Personen des Demokratischen Sektors zu unterbinden."
In der Bernauer Straße, der Brunnenstraße und am Friedhof in der Liesenstraße im Norden Berlins wird die Mauer erhöht, um das Zuwinken und sonstige Kontaktaufnahmen von West- und Ost-Berlinern zu unterbinden.
Ein nach West-Berlin geflohener DDR-Volkspolizist berichtet über seinen Einsatz an der Grenze seit dem 13. August und die Stimmung in seiner Einheit. Einen Schießbefehl habe es für ihn auf Fahnenflüchtige, nicht aber auf Zivilisten gegeben. Für die Kampfgruppeneinheiten dagegen habe eine andere Befehlslage gegolten.
In Bonn nimmt Bundesaußenminister Heinrich von Brentano zur aktuellen Entwicklung in Berlin Stellung. Von Brentano reagiert damit auf die von der sozialdemokratischen Opposition (SPD) und in Teilen der Presse geäußerte Kritik, dass es der Bundesregierung an einem stimmigen deutschlandpolitischen Konzept fehle.
Pressestimmen West:
In West-Berlin befasst sich die Tageszeitung "Die Welt" mit der Verschärfung der Postzensur in Ost-Berlin. Zwar funktioniere der Postverkehr zwischen Ost-Berlin und West-Berlin sowie zwischen West-Berlin und der DDR erstaunlich reibungslos (im Durchschnitt 50 Stunden Beförderungszeit). Die Postzensur der DDR sei jedoch außerordentlich verschärft worden: "Während man sich im Juli noch mit Stichproben begnügte, muß jetzt jede Postsache, gleichgültig ob Brief, Glückwunschkarte oder Drucksache, genau geprüft werden. Das Personal in den Zensurstellen – insbesondere auch das Kontrollpersonal im Ostberliner Briefpostamt am Stettiner Bahnhof - wurde für diese Aufgaben durch ausgebildete Kräfte aus den Bezirksstädten der Zone verstärkt."


