Chronik

3. August 1961

In der Zeit vom 3. August 1961, 8.00 Uhr, bis 4. August 1961, 8.00 Uhr, werden im Flüchtlingslager Berlin-Marienfelde 1.100 Flüchtlinge registriert.

Die drei westlichen Stadtkommandanten von Berlin protestieren beim sowjetischen Stadtkommandanten gegen die Maßnahmen des Ost-Berliner Magistrats, den Zugang zu den Arbeitsplätzen für die in West-Berlin arbeitenden Ost-Berliner und DDR-Bürger (Grenzgänger) zu erschweren. Die Maßnahmen verstießen gegen die volle Freizügigkeit in ganz Berlin, stünden im Widerspruch zu den entsprechenden Abkommen und seien als menschlich "absolut verwerflich" zu betrachten.

Die Sowjetunion übermittelt der Bundesregierung ein Memorandum zur Frage eines Friedensvertrages mit Deutschland und der Normalisierung der Lage in West-Berlin. Das Dokument beantwortet das Memorandum Bundesregierung vom 12. Juli 1961. Weigere sich die Bundesregierung, noch 1961 an einem Friedensvertrag mitzuwirken, verspiele sie die vielleicht letzte Chance, einen entscheidenden Schritt zur Wiederherstellung der deutschen Einheit zu tun.

In Moskau beginnt eine dreitägige Gipfelkonferenz der Warschauer-Pakt-Staaten (3. bis 5. August 1961). Im offiziellen Kommuniqué bekunden die Teilnehmer ihre Entschlossenheit, noch im Jahre 1961 einen Friedensvertrag entweder mit beiden deutschen Staaten oder nur mit der DDR abzuschließen.

An zwei von drei Tagen beschäftigt sich jedoch die Konferenz mit Albanien und der Politik des albanischen Parteiführers Enver Hodscha, der einen zunehmend kritischen Kurs gegenüber der Sowjetunion eingeschlagen hat. Die Sowjetunion unterschätze die Gefahr, die vom Imperialismus ausgehe und sei zu versöhnlerisch, lautet die albanische, aber auch die chinesische Kritik, die sich auch gegen Chruschtschow persönlich richtet. Die neuere Forschung, der das sowjetische Protokoll der Tagung zur Verfügung steht, kommt zu dem Ergebnis, dass die aufziehende sowjetisch-chinesische Rivalität die Konferenz überschattete.

Entscheidungen des SED-Politbüros in den folgenden Tagen weisen darauf hin, dass in Moskau möglicherweise auch ein Beschluss über die Schließung der Grenze in Berlin gefasst wurde. Die bisher zugänglichen Konferenzunterlagen geben darüber keine Auskunft. Ein förmlicher Beschluss wurde bisher nicht gefunden. Handschriftlichen Notizen Walter Ulbrichts über Ausführungen Nikita Chruschtschows (möglicherweise in einem Vieraugengespräch) am 3. August, die seit Kurzem im Bundesarchiv einsehbar sind, ist zu entnehmen, dass Chruschtschow allgemein von "administrativen Maßnahmen" und "Grenze schließen" sprach.

Umstritten in der Forschung und nach wie vor offen bleibt, wer wen dazu drängte. Vom Bau einer Mauer allerdings, so berichtet der Dolmetscher Ulbrichts, Werner Eberlein, sei in Moskau keine Rede gewesen.