Chronik
5. August 1961
In der Zeit vom 5. August 1961, 8.00 Uhr, bis 6. August 1961, 8.00 Uhr, werden im Flüchtlingslager Berlin-Marienfelde 1.283 Flüchtlinge registriert.
In Paris treffen sich vom 5. bis 7. August die Außenminister der drei Westmächte und beraten, teilweise in Anwesenheit des deutschen Außenministers Heinrich von Brentano, ihre Berlin-Politik. Erarbeitet werden soll eine gemeinsame Reaktion auf die sowjetischen Drohungen, doch die vier Außenminister können sich auf nichts einigen, was über die drei Essentials aus der Rede von US-Präsident John F. Kennedy vom 25. Juli 1961 hinausgeht.
Der damalige französische Außenminister Couve de Murville hält in seinen Memoiren fest: "Lord Home fragte, wann man Verhandlungen mit den Sowjets beginnen würde. Dean Rusk schlug eine Außenministerkonferenz der vier Siegermächte für Anfang Oktober vor. Ich fragte, worüber man sprechen solle: Das einzige plausible Thema war Berlin. Wenn wir selbst vorschlügen, das zu diskutieren, würde das jedoch den Eindruck erwecken, dass wir zu Konzessionen bereit wären, um der Gewalt auszuweichen, die uns bedrohte. (...) Der deutsche Außenminister von Brentano teilte die französischen Bedenken. (...) Am Ende konnte keine Übereinstimmung erzielt werden und man entschied, sich im September in New York wieder zu treffen."
Arthur M. Schlesinger beschreibt das Dilemma des Treffens aus amerikanischer Sicht folgendermaßen: "Wir hofften genügend Einigkeit zu erzielen, um die Sowjetunion zu einer Viermächtekonferenz einladen zu können. Die Engländer waren dafür, und die Westdeutschen zeigten sich empfänglicher als erwartet. Aber die Amerikaner hatten immer noch keine solide Position anzubieten, und die Franzosen lehnten die Idee auch weiterhin rundheraus ab. (...) Das Pariser Treffen blieb also ergebnislos. Man fragt sich allerdings, ob die Russen, wenn eine Einladung an Moskau zustande gekommen wäre, die drastische Aktion durchzuführen gewagt hätten, die sie für das folgende Wochenende vorbereiteten."
In ihren offiziellen Abschlussstatements erwecken die vier Delegationen jedoch den Eindruck, sie hätten sich auf vorbereitende Maßnahmen geeinigt, um einer kritischen Situation in Berlin begegnen zu können.


