Chronik

5. Juli 1961

Die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik hat erstmals die 100.000er-Grenze unterschritten, die Arbeitslosenquote erreicht mit nur noch 0,5 Prozent einen bisher nicht gekannten Tiefstand. Wie die Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit meldet, stehen 99.203 Arbeitssuchenden über 500.000 offene Stellen gegenüber.

Die "Frankfurter Rundschau" kommentiert den Streit zwischen Bundeskanzler Adenauer (CDU) und Bundestagspräsident Gerstenmaier (CDU) über dessen Bundestags-Rede vom 30. Juni: "Im Grunde geht es darum, ob die Bonner Politik bereit ist, den langen, mühsamen, etappenweisen Weg zur Wiedervereinigung zu gehen und ihn mit Friedensverhandlungen zu verbinden, bei denen nicht nur die Frage einer militärischen Neutralität, sondern auch der Ost-Grenzen auftauchen würde, oder ob Bonn im Sinne des bisherigen Kanzler-Kurses weiterhin darauf besteht, die freien Wahlen, also die Kapitulation Moskaus, an den Anfang einer solchen Entwicklung zu stellen. In diesem Punkt stehen Adenauer und Gerstenmaier in verschiedenen Lagern. Es kommt noch hinzu, dass die eine Seite in dem Versuch, Friedensverhandlungen zu führen, eine Möglichkeit sieht, das Berlin-Problem zu entschärfen, die Bundesregierung dagegen auf die Entschlossenheit der Westmächte baut, Berlin auch ohne umfassende Verhandlungen zu halten." Es stehe zu befürchten, dass durch die Unwilligkeit der Bundesregierung wieder eine Chance verpasst werde und dass "wir auf einer isolierten Berlin-Lösung sitzen bleiben, die nicht besonders erfreulich sein wird."