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Cetin Mert: MfS-Information über die Bergung der Leiche

12. Mai 1975

Information

über die Bergung einer Kindesleiche aus Grenzgewässern

Am Sonntag, d. 11. Mai 1975, 12.35 Uhr, wurde durch das Postenpaar
    Obermatrose
    (...)
    Postenführer GR 35
und
    Matrose
    (...)
    Posten GR 35
vom Postenbereich Brommybrücke, Berlin-Friedrichshain, Bereich des Grenzregimentes 35, beobachtet, daß im Abschnitt Gröbenufer – Spree – Berlin-Friedrichshain, ca. 200 m vom Posten entfernt, auf Westberliner Gebiet größere Bewegungen von Kfz. und Personen zu verzeichnen waren. Festgestellt wurden
    3 Feuerwehr-Löschzüge
    1 Feuerwehr-Leiterwagen
    1 VW der SCHUPO
    20 Feuerwehrleute
5 Feuerwehrleute suchten mit Stangen – vermutlich Leichenhaken – in der Spree vom Ufer aus. Das Ufer bildet hier die Staatsgrenze.

Sofort nach Feststellung der Bewegungen auf Westberliner Gebiet meldete das Postenpaar die Beobachtungsergebnisse – etwa zwischen 12.40 – 12.45 Uhr – an den Führungspunkt B-Stelle des Zugführers, der sich im "Kühlhaus" befindet. Vom Führungspunkt aus wurde diese Meldung sofort (etwa 12.48 Uhr) an das GR 35 gemeldet.

Durch das GR 35 wurde daraufhin das Alarmboot mit dem Kompaniechef, Korvettenkapitän (...) und 2 Tauchern zum Einsatzort befohlen. Gegen 13.10 Uhr traf das Boot im Abschnitt Gröbenufer ein. Hier, etwa gegen 13.10 Uhr, wurde der Besatzung des Bootes von Westberlin aus zurufen, daß ein Kind ins Wasser gefallen sei. Zu dieser Zeit befanden sich außer den bezeichneten Kräften auf Westberliner Gebiet noch ca. 400 Zivilpersonen.

Zur gleichen Zeit – gegen 13.10 Uhr – erhielt die Besatzung des Bootes die Erlaubnis vom Grenzkommando Mitte zum Tauchen und Bergen der Leiche.

Gegen 12.50 Uhr erschien auf der GÜST Oberbaumbrücke ein Westberliner Brandmeister der Feuerwehr. Er sprach den Diensthabenden Offizier der GÜST an mit der Bitte um Erlaubnis des Einsatzes von Tauchern, da ein Kind ins Wasser gefallen sei. Durch den Offizier der GÜST wurde dieses abgelehnt.

Zu bemerken ist, daß das Alarmboot zu dieser Zeit bereits auf der Fahrt zum Einsatzort war.

Nach Vorbereitungshandlungen auf dem Boot wurde um 13.20 Uhr mit dem Tauchen und der Suche nach der Kinderleiche begonnen. Um 14.10 Uhr wurde durch die Taucher des Alarmbootes eine männliche Kindesleiche (ca. 5 Jahr alt) geborgen und danach an das gerichtsmedizinische Institut übergeben.

Die Handlungen der Kräfte des Alarmbootes und der Taucher wurden von Westberliner Gebiet aus beobachtet und durch mehrer Zivilpersonen und uniformierte Kräfte mit Fotoapparaten und Filmkameras dokumentiert.

Nach Bergung der Kindesleiche wurden die Grenzsicherungskräfte beschimpft, weil die Leiche nicht sofort nach Westberlin übergeben wurde.

Hinzuzufügen ist, daß auf Grund des Entschlusses des Kommandeurs des Grenzregimentes 35 im Abschnitt VEB Altstoffhandel – Berlin – Friedrichshain, Mühlenstraße – ein zusätzliches Postenpaar aus dem Aufklärungszug eingesetzt war mit der Aufgabe der Beobachtung des Westberliner Vorfeldes und der Dokumentierung von Erscheinungen und Handlungen des Gegners auf Westberliner Gebiet. Diese Kräfte waren gedeckt eingesetzt. Für diese war keine nachrichtentechnische Verbindung vorhanden.

Dieses Postenpaar beobachtete gegen 11.27 Uhr 2 spielende Kinder am bezeichneten Ort des Vorkommnisses. Beim Versuch eines der Kinder, einen Stock ins Wasser zu werfen, rutschte dieses ab und fiel ins Wasser.

Möglichkeiten der Rettung dieses Kindes durch das Postenpaar bestanden nicht. Durch dieses Postenpaar erfolgte die beiliegende Fotodokumentation.

Leiter Bereich Abwehr

Zilm
Oberstleutnant

Anlage
Fotos

Quelle: BStU, MfS, HA 1 Nr. 14878, Bl. 217-218
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