FAQ

FAQs - 36 Fragen und Antworten

Fakten allgemein

1. Wann wurde die Berliner Mauer errichtet?

Am 13. August 1961 ließ die DDR-Regierung die Sektorengrenze im Berliner Innenstadtbereich und die Grenze um West-Berlin herum mit Stacheldraht abriegeln. In der Nacht vom 17. auf den 18. August 1961 wurde mit dem Bau einer Mauer begonnen. Bis zum Jahr 1989 wurden die Sperranlagen Jahr für Jahr ausgebaut, modernisiert und perfektioniert.

2. Wie lange stand die Berliner Mauer?

Die Berliner Mauer stand 28 Jahre, zwei Monate und 28 Tage – vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989.

3. Wie vielen Menschen gelang die Flucht über die Berliner Mauer, wie viele scheiterten?

Zwischen Mauerbau und Mauerfall gelang mindestens 5.075 DDR-Bürgern die Flucht durch die Sperranlagen in den Westteil von Berlin. Die Anzahl der gescheiterten Fluchten ist bis heute nicht bekannt.

4. Wie viele Menschen starben an der Berliner Mauer?

An der Berliner Mauer wurden zwischen 1961 und 1989 mindestens 140 Menschen getötet oder kamen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben.

5. Wer kam als erster DDR-Flüchtling an der Berliner Mauer ums Leben?

Der erste Flüchtling, der neun Tage nach ihrem Bau an der Berliner Mauer ums Leben kam, war Ida Siekmann. Am 22. August 1961, einen Tag vor ihrem 59. Geburtstag, verunglückte sie tödlich beim Sprung aus ihrer Wohnung in der Bernauer Straße.

6. Wer kam als letzter DDR-Flüchtling an der Berliner Mauer ums Leben?

Der letzte Flüchtling, der acht Monate vor ihrem Fall an der Berliner Mauer ums Leben kam, war Winfried Freudenberg. Am 8. März 1989 stürzte er mit einem Ballon nach einem Flug über die Sektorengrenze aus großer Höhe im West-Berliner Bezirk Zehlendorf ab.

7. Warum hieß der Berliner Grenzübergang S-Bahnhof Friedrichstraße im Volksmund „Tränenpalast“?

Der Grenzübergang S-Bahnhof Friedrichstraße war der meist frequentierte Grenzübergang zwischen West- und Ost-Berlin. Hier verabschiedeten die Ost-Berliner ihren West-Besuch, der zurück in den Westteil der Stadt reiste, während ihnen selbst Westreisen überwiegend bis zum Rentenalter versagt blieben.

8. In welcher Stadthälfte stand das Brandenburger Tor nach dem Bau der Berliner Mauer – in Ost- oder West-Berlin?

Das Brandenburger Tor stand nach dem Mauerbau in Ost-Berlin und wurde zum zentralen Symbol für die deutsche Teilung und die Teilung Berlins.

9. Wie lang war die Berliner Mauer?

Die Berliner Mauer war nach Angaben der DDR-Grenztruppen 156,4 Kilometer lang. 43,7 Kilometer davon verliefen mitten durch Berlin („Sektorengrenze“) und 112,7 Kilometer nördlich, westlich und südlich um West-Berlin herum („Zonengrenze“ bzw. „Außenring“).

10. Was hat die Berliner Mauer gekostet?

Allein die Sperranlagen, die in Berlin bis 1970 errichtet wurden, sollen 100 Millionen DDR-Mark gekostet haben. Die Personal- und Ausrüstungskosten für ihre Bewachung kommen hinzu. Wie viele Milliarden die Mauer bis 1989 insgesamt verschlungen hat, ist bis heute nicht bekannt.

11. Was passierte mit der Berliner Mauer nach ihrer Demontage?

Große Teile der Berliner Mauer wurden nach ihrem Abriss in Betonwerken zertrümmert und zermahlen und als Unterbau für neue Wege und Straßen nutzbar gemacht. Zudem konnten ausgewählte Mauersegmente in die ganze Welt verkauft werden.

12. Wo sind in Berlin noch längere Teile der Original-Mauer zu sehen?

Längere Teile der Original-Mauer finden sich in Berlin heute nur noch in der Bernauer Straße zwischen den Berliner Stadtbezirken Mitte und Wedding, in der Niederkirchner Straße zwischen den Stadtbezirken Mitte und Kreuzberg-Friedrichshain und in der Mühlenstraße an der Spree zwischen Friedrichshain und Kreuzberg („East-Side-Gallery“).

13. Was ist die „East Side Gallery“?

Die East Side Gallery ist ein 1,3 Kilometer langes Teilstück der Mauer im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, das 1990 von Künstlern bemalt wurde. Die meisten Motive handeln von Freiheit und Menschenrechten. Die East Side Gallery steht seit 1991 unter Denkmalschutz und gilt als längste Open-Air-Galerie der Welt.


Sperranlagen und Schießbefehl

14. Wie sahen die Sperranlagen der Berliner Mauer aus?

Die Sperranlagen der Berliner Mauer wurden seit 1961 permanent ausgebaut, modernisiert und perfektioniert. Sie bestanden im Jahr 1989 auf einer Gesamtlänge von mehr als 100 km aus einer oder mehreren Mauern. Hinzu kamen fast 200 km an Alarmzäunen und Metallgitterzäunen, 161 km Lichttrasse, die den Todesstreifen nachts taghell beleuchtete, mehr als 200 Wachtürme und etwa 500 Wachhunde.

15. Was war der Todesstreifen?

Der Todesstreifen war das Gebiet an der Berliner Mauer, in dem die Grenzsoldaten Fluchtversuche auch mit der Schusswaffe verhinderten. Er war durch Stacheldraht, elektrische Signalzäune, Sperranlagen, Hundelaufanlagen und Wachtürme gesichert und auch nachts taghell beleuchtet.

16. Gehörten zu den Sperranlagen an der Berliner Mauer auch Minen?

An der Berliner Mauer waren im Unterschied zur innerdeutschen Grenze weder Spreng- noch Splitterminen installiert. Von Minen verletzte und verstümmelte Flüchtlinge, so fürchteten die DDR-Machthaber, hätten in den dichtbesiedelten Teilen von Berlin allzu leicht vom Westen dokumentiert und die Fotos gegen die DDR verwendet werden können.

17. Wer bewachte die Berliner Mauer?

Die Berliner Mauer wurde von DDR-Grenzeinheiten bewacht, seit 1971 vom 11.500 Mann starken Grenzkommando Mitte der DDR-Grenztruppen. Die Grenzsoldaten waren mit Maschinengewehren der Marke Kalaschnikow bewaffnet. Sie sollten zur Verhinderung von Fluchten auch von der Schusswaffe Gebrauch machen.

18. Wie groß war der Abstand zwischen den Grenzposten an der Berliner Mauer?

Der Abstand zwischen den Grenzposten an der Berliner Mauer betrug in der Stadtmitte tagsüber etwa 320 Meter, nachts 260 Meter. Im Umland, am sogenannten Außenring, standen die Wächter zwischen 560 und 950 Meter am Tag auseinander - und 400 bis 650 Meter bei Nacht.

19. Gab es einen Schießbefehl an der Berliner Mauer?

In den nach 1990 eingeleiteten Strafverfahren wegen der Todesschüsse auf Flüchtlinge bestritten die Mitglieder der ehemaligen politischen und militärischen Führung der DDR vehement, dass es jemals einen Schießbefehl gegeben habe. Formaljuristisch muss ihnen Recht gegeben werden, denn die Gesetze, Dienstvorschriften und Befehle zum Schusswaffengebrauch erlaubten den Grenzsoldaten lediglich zu schießen, verpflichteten sie jedoch nicht dazu. Doch Recht und Gesetz waren in der DDR der politischen Opportunität unterworfen. Politische Strafgesetze, die Fluchtversuche unter bestimmten Bedingungen als Verbrechen definierten, eine ideologische Indoktrination, die die jungen Soldaten zum bedingungslosen Hass auf den „Grenzverletzer“ erzog, Belobigungen und Prämien für Todesschützen rückten die „Erlaubnis“ nahe an die Pflicht. „Grenzverletzer sind festzunehmen oder zu vernichten“ – mit diesem Befehl wurden die Grenzsoldaten bis in die 1980er-Jahre tagtäglich auf ihren Posten in den Todesstreifen geschickt.


Hintergründe

20. Wie kam es zur Teilung Deutschlands?

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Deutschland unter den Siegermächten aufgeteilt: Den westlichen Teil besetzten die USA, Großbritannien und Frankreich und den östlichen die Sowjetunion. Schon bald entwickelten sich zwischen den demokratischen Westmächten und der kommunistischen Sowjetunion unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten. Die Teilung Deutschlands verfestigte sich 1949. Aus den drei westlichen Besatzungszonen entstand die Bundesrepublik Deutschland (BRD). In der Sowjetischen Besatzungszone wurde die Deutsche Demokratische Republik (DDR) proklamiert.

Karte der Besatzungszonen in Berlin, Deutschland und Österreich; Frankfurt (Main) 1945

21. Wer hatte nach 1945 in Berlin das Sagen?

Nachdem Deutschland den Zweiten Weltkrieg verloren hatte, teilten es die Siegermächte –die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion – in vier Zonen und Berlin in vier Sektoren auf. In Berlin übertrug die Sowjetunion die Rechte in ihrem Sektor (Ost-Berlin) formell auf die DDR-Regierung. Die den westalliierten Stadtkommandanten unterstellten Westsektoren waren zwar eng an die Bundesrepublik angebunden, West-Berlin war jedoch kein Bestandteil der Bundesrepublik Deutschland und durfte nicht von ihr regiert werden (Viermächte-Abkommen über Berlin von 1971). Die in West-Berlin aus freien Wahlen hervorgegangene Regierung („Senat“) und der Regierende Bürgermeister unterstanden politisch den westalliierten Stadtkommandanten, auch wenn dies nur selten sichtbar wurde. Faktisch standen West- und Ost-Berlin bis zur politischen Vereinigung 1990 unter der Kontrolle der vier Siegermächte.

22. Was ist mit den Sektoren gemeint?

Nach dem Sieg über Nazi-Deutschland teilten die Alliierten 1945 die Verwaltung der Berliner Bezirke unter sich auf. So entstand ein sowjetischer, ein amerikanischer, ein britischer und ein französischer Sektor, in dem die jeweilige Besatzungsmacht das Sagen hatte.

23. Welche Ziele verfolgte die Sowjetunion Ende der 1950er Jahre in Bezug auf Berlin?

Der sowjetische Partei- und Staatsführer Nikita Chruschtschow stellte den Westmächten am 27. November 1958 ein Ultimatum: Falls die USA, Großbritannien und Frankreich nicht innerhalb von sechs Monaten in Verhandlungen über einen Friedensvertrag und die Umwandlung West-Berlins in eine „Freie Stadt“ träten, werde die Sowjetunion einen einseitigen Friedensvertrag mit der DDR abschließen. Sie werde darin alle sowjetischen Rechte und Verantwortungen gegenüber Berlin an die DDR-Regierung abtreten – insbesondere die Kontrolle der Verbindungswege zur Bundesrepublik zu Lande, auf dem Wasser und in der Luft. Dieses Ultimatum lief darauf hinaus, den Viermächte-Status der Stadt aufzukündigen, die Westmächte aus West-Berlin zu vertreiben – und die DDR durch die Kontrolle aller Zugangswege in die Lage zu versetzen, die Fluchtbewegung zu unterbinden.

24. Welche Ziele verfolgten die Westmächte – die USA, Großbritannien und Frankreich – Ende der 1950er Jahre in Bezug auf Berlin?

Die Westmächte USA, Großbritannien und Frankreich wollten ihre 1945 in Berlin militärisch und politisch errungenen Positionen in den von ihnen besetzten drei Sektoren halten. Dazu gehörte es, den Deutschen auch in Berlin nach der Kriegsniederlage des Nationalsozialismus zum Aufbau demokratischer Strukturen auf der Grundlage einer kapitalistischen Eigentumsordnung zu verhelfen. Ihre Anwesenheit in Berlin eröffnete ihnen zugleich umfangreiche politische und militärische Aufklärungs- und Spionagemöglichkeiten gegen die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten. Deshalb widersetzten sich die Westmächte jedem Versuch der Sowjetunion, den Viermächte-Status der Stadt aufzukündigen und sie aus West-Berlin zu vertreiben.

25. Warum flüchteten Menschen aus der DDR in den Westen?

DDR-Bürger flohen seit der Gründung der DDR aus politischen, wirtschaftlichen und persönlichen Gründen in die Bundesrepublik. Dabei gehörten politische und religiöse Verfolgung, die Ablehnung der politischen Entwicklung in der DDR und die Hoffnung auf bessere Lebenschancen im Westen zu den wichtigsten Motiven.

26. Wofür wurden Notaufnahmelager gebraucht?

Ende der 1940er Jahre flüchteten immer mehr Menschen aus der sowjetisch besetzten Zone, der späteren DDR, nach West-Berlin und Westdeutschland. Um die Flüchtlinge unterzubringen und mit dem Nötigsten zu versorgen, richtete der Westen spezielle Notaufnahmelager ein. Dort durchliefen sie ein Anerkennungsverfahren. Wurden sie als politische Flüchtlinge anerkannt, erhielten sie staatliche Hilfen.

27. Wann und warum verzichtete die Sowjetunion auf die Durchsetzung ihres Berlin-Ultimatums und stimmte der Abriegelung der Sektorengrenze in Berlin zu?

Am 20. Juli 1961 erreichten den sowjetischen Partei- und Staatsführer Nikita Chruschtschow Informationen seines Geheimdienstes KGB, dass der Westen für den Fall einer Sperrung der Zugangswege nach West-Berlin militärische Operationen vorbereite, „in deren Ergebnis eine ‚reale Gefahr’ für die Sicherheit der Sowjetunion entstehen“ könnte. Um den 24. Juli 1961 herum gab der sowjetische Parteichef grünes Licht für die Abriegelung der Sektorengrenze. Und schon am 27. Juli 1961 lag eine von sowjetischen und DDR-Militärs ausgearbeitete und abgestimmte militärische Karte vor, auf der alle vorgesehenen Sperrungen eingetragen waren. Der Countdown zur Grenzabriegelung hatte damit begonnen.

28. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, tat der ostdeutsche Partei- und Staatsführer Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 auf einer internationalen Pressekonferenz in Ost-Berlin kund: Wahrheit oder Lüge?

Während der Ulbricht-Pressekonferenz vom 15. Juni 1961 selbst und in den Tagen danach bezweifelte niemand den Wahrheitsgehalt dieser Aussage. Seit Anfang 1961 ließ Walter Ulbricht zwar Varianten zur Abriegelung der Sektorengrenze in Berlin vorbereiten. Eine Abriegelung durch den Bau einer Mauer, verriet ein geflohener Abteilungsleiter im Mai 1961 im Westen, war eine davon – aber zugleich die am wenigsten favorisierte Variante. Alles spricht dafür, dass Ulbricht am 15. Juni 1961 noch auf die mit Chruschtschow vereinbarte Durchsetzung des – politisch für die DDR wesentlich günstigeren – Abschlusses eines Friedensvertrages im Jahr 1961 vertraute. Der Bau einer Mauer entsprach nicht seinen vorrangigen Interessen und Zielen.

29. Warum wurde die Berliner Mauer errichtet?

Im Zeitraum von 1949 bis Mitte 1961 flüchteten mehr als zweieinhalb Millionen Menschen aus der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR in die Bundesrepublik. Der DDR drohte der wirtschaftliche Zusammenbruch. Um die Fluchtbewegung zu stoppen und den Weg in den Westen abzuriegeln, ließ die DDR-Regierung schon im Mai 1952 die innerdeutsche Grenze zur Bundesrepublik und am 13. August 1961 die Berliner Sektoren- und Umlandgrenze sperren.

30. Waren die westlichen Geheimdienste im Vorhinein über den Bau der Berliner Mauer informiert?

Den westlichen Geheimdiensten blieben zwar die Vorbereitungen zur Abriegelung nicht verborgen, den genauen Zeitpunkt brachten sie jedoch vor dem 13. August 1961 nicht in Erfahrung.

31. Warum hat der Westen, insbesondere die USA, den Bau der Berliner Mauer nicht verhindert?

Die West-Alliierten in West-Berlin waren den sowjetischen Truppen in der DDR und in Ost-Berlin militärisch an Stärke und Ausrüstung hoffnungslos unterlegen. Im Falle einer Heranführung zusätzlicher amerikanischer, britischer und französischer Einheiten aus dem Bundesgebiet durch die DDR oder auf dem Luftweg nach West-Berlin befürchteten US-Präsident John F. Kennedy und seine Berater den Ausbruch eines Atom-Krieges. Zudem sahen sie ihre Rechte, die sie nur auf West-Berlin bezogen, nicht beeinträchtigt.

32. Wie kam es zum Fall der Berliner Mauer?

Politische Entmündigung, Unfreiheit und die schlechte wirtschaftliche Lage führten in der DDR Ende der 1980er Jahre immer mehr zu Unzufriedenheit. Hunderttausende Demonstranten forderten im Herbst 1989 freie Wahlen, die Zulassung von Oppositionsgruppen und Reisefreiheit. Die DDR-Führung geriet immer stärker unter Druck. Im September 1989 öffnete Ungarn seine Grenze zum Westen für DDR-Bürger, Anfang November auch die Tschechoslowakei. Die Mauer hatte zwei Löcher bekommen. Am 9. November 1989 gab SED-Politbüromitglied Günter Schabowski auf einer live vom DDR-Fernsehen übertragenen internationalen Pressekonferenz vorzeitig eine neue Regelung für Reisen von DDR-Bürgern in den Westen bekannt. Die Westmedien interpretierten die Mitteilung als sofortige Öffnung der Grenze. Ihre Meldungen und Nachrichtensendungen führten zu einem Massenansturm auf die Berliner Grenzübergänge, in dessen Folge die Kontrollen eingestellt wurden und die Mauer fiel.

33. Wie reagierte die Sowjetunion auf den Fall der Mauer?

Zunächst widersetzte sich die sowjetische Führung allen Tendenzen zur Vereinigung beider deutscher Staaten energisch. Doch die Macht der SED verfiel unaufhaltsam. Und die eigenen politischen und wirtschaftlichen Probleme wuchsen der Sowjetunion über den Kopf. So gab der sowjetische Partei- und Staats-Chef Michail Gorbatschow im Februar 1990 den Weg zur deutschen Einheit frei.

34. Warum verschwand die Berliner Mauer 1990 so schnell und gründlich?

Der schnelle Abriss der Mauer hatte vor allem zwei Gründe: zum einen den Hass der Berliner auf das monströse Bauwerk, zum anderen das Interesse, Mauergrundstücke in Berlins bester Lage profitabel zu vermarkten.

35. Warum wurde Deutschland 1990 politisch vereinigt?

Nach dem Fall der Berliner Mauer fand im März 1990 die erste freie Volkskammer-Wahl in der DDR statt. Sie wurde zu einem eindeutigen Votum für einen schnellen Weg zur deutschen Einheit: Die CDU-geführte „Allianz für Deutschland“ ging aus ihr mit 48,1 Prozent der Stimmen als stärkste Kraft hervor. Auf der Grundlage von Verhandlungen zwischen der DDR und der Bundesrepublik (Einigungsvertrag) und im Einverständnis mit den vier Siegermächten des Zweiten Weltkrieges (Vier-plus-Zwei-Vertrag) konnte die politische Vereinigung am 3. Oktober 1990 feierlich vollzogen werden.

36. Wie viele Befehlsgeber und Mauerschützen wurden wegen der Todesschüsse an der Berliner Mauer nach 1990 verurteilt?

Auf Grund von Anklagen der Berliner Staatsanwaltschaft und der Staatsanwaltschaft Neuruppin wurden nach 1990 insgesamt 163 Angeklagte wegen verschiedener Totschlagsdelikte – als unmittelbare oder mittelbare Täter, als Gehilfen, Anstifter oder wegen Beihilfe – rechtskräftig verurteilt. Ein Grenzsoldat wurde daneben wegen Mordes zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Unter den 164 Verurteilten befanden sich zehn Mitglieder der SED-Führung, 54 Mitglieder der militärischen Führung und 100 Grenzsoldaten.


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