Chronik

Chronik 1961

Überblick

In der Nacht vom 12. auf den 13. August gab Walter Ulbricht als SED-Parteiführer und Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates der DDR den Befehl zur Abriegelung der Sektorengrenze in Berlin. Im Einverständnis mit der Sowjetunion, wenige Tage zuvor in Moskau eingeholt, und mit Rückendeckung der sowjetischen Truppen in der DDR wird das letzte „Schlupfloch" versperrt, durch das der Parteidiktatur noch zu entkommen ist: Am frühen Morgen des 13. August beginnen bewaffnete Grenzpolizisten mitten in Berlin das Straßenpflaster aufzureißen. Mehr
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  • März

     
    • 7. März

      1961

      Leipziger Frühjahrsmesse 1961 (im Hintergrund der Turm des sowjetischen Pavillons); Aufnahme 12. März 1961
      Auf einer internationalen Pressekonferenz anlässlich der Leipziger Messe kündigt DDR-Außenhandelsminister Heinrich Rau an, dass sich die DDR künftig am sowjetischen System der technischen Normen orientieren wolle, um so Störungen im innerdeutschen Handel wirksamer durch sowjetische Lieferungen auszugleichen.
    • 8. März

      1961

      Bundeskanzler Adenauer bezeichnet das sowjetische Memorandum vom 17. Februar im Deutschen Bundestag als „freundlicher im Ton", aber „im Effekt" – nämlich der juristischen Untermauerung der Nachkriegsgrenzen als „sehr hart". Während die Sowjetunion das Selbstbestimmungsrecht anderer Völker anerkenne, verweigere sie es den „Einwohnern der Sowjetzone". Die Bundesregierung werde das Memorandum zusammen mit den Alliierten „sehr gewissenhaft und nach allen Seiten hin" prüfen.
    • 9. März

      1961

      Der amerikanische Botschafter Llewellyn Thompson übergibt in Moskau eine Mitteilung von US-Präsident Kennedy an Nikita Chruschtschow. Darin schlägt der US-Präsident ein baldiges Treffen beider Staatschefs an einem neutralen Ort vor. Chruschtschow stimmt zu und nutzt den Botschafterbesuch zu einem Meinungsaustausch. Mehr
    • 12. März

      1961

      Bei den Eishockey-Weltmeisterschaften in der Schweiz treffen die beiden deutschen Mannschaften aufeinander. Die Mannschaft der Bundesrepublik tritt jedoch nicht an, da das Hissen der DDR-Flagge und das Spielen der DDR-Hymne einer faktischen Anerkennung gleichkomme. Am Tag darauf erscheint das „Neue Deutschland" mit den Schlagzeilen: „Hallstein-Doktrin bringt Niederlage. Adenauer verbietet Spiel westdeutscher Eishockeymannschaft gegen DDR-Auswahl / Furcht vor möglicher Niederlage / Bonn kommandiert westdeutschen Sport / Beifall für DDR-Mannschaft."
    • 13. März

      1961

      Willy Brandt (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin; Aufnahme 1962
      Nach Bundesaußenminister Heinrich von Brentano besucht auch der Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, die USA. Kennedy versichert, dass die Freiheit West-Berlins um jeden Preis erhalten bleiben solle, bis Deutschland in Frieden und Freiheit wiedervereinigt sei. In einem Fernsehinterview schließt Willy Brandt nicht aus, dass in der Berlin-Frage im Verlauf des Jahres 1961 erneuter sowjetischer Druck ausgeübt werden könnte.





    • 16.-19. März

      1961

      Das SED-Zentralkomitee beschäftigt sich mit den Ursachen der wirtschaftlichen Krise. Die Lebensmittelversorgung wird immer schlechter, die Industrieproduktion hinkt hinterher, die Lage im Gesundheitswesen ist katastrophal. Mehr
    • 18. März

      1961

      Franz Josef Strauß
      Verteidigungsminister Franz Josef Strauß wird auf einem außerordentlichen Parteitag zum neuen CSU-Vorsitzenden gewählt. Er tritt damit die Nachfolge des erkrankten Hanns Seidel an und wird dieses Amt bis zu seinem Tod im Jahre 1988 ausüben.
    • 18. März

      1961

      Ernst Lemmer, Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, vor seinem Büro in West-Berlin; Aufnahme 21. September 1961
      Der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Ernst Lemmer, fordert in einer RIAS-Rundfunkansprache, in beiden Teilen Deutschlands eine Volksabstimmung als Voraussetzung für einen Friedensvertrag durchzuführen. Eine solche Abstimmung, so Lemmer, wäre „die klarste und unmissverständlichste Entscheidung aller Deutschen über eine eigene Zukunft. Auf diese Weise könne geklärt werden, ob die Bevölkerung eine gesamtdeutsche Regierung durch freie Wahlen für den richtigen Weg hält."
    • 20. März

      1961

      Vor der Grenzschließung herrscht reger Verkehr zwischen Ost- und West-Berlin; Aufnahmedatum unbekannt
      Bei einem Treffen mit dem sowjetischen Botschafter in Ost-Berlin, Michail Perwuchin, erklärt SED-Chef Ulbricht, dass bald Maßnahmen gegen diejenigen DDR-Bürger ergriffen würden, die in West-Berlin arbeiteten, die sogenannten Grenzgänger: „Das werde großen Lärm im Westen hervorrufen", so sinngemäß Ulbricht, „aber dass mache ihm nichts aus. Wenn Leute weggingen, die ihre Kraft nicht für die DDR einsetzen, verliere man nichts."
    • 23. März

      1961

      In einem Memorandum zur Berlin-Frage entwirft der amerikanische Geheimdienst CIA das Szenario, dass die Sowjetunion anstrebe, den Westen durch eine Verschärfung der Lage zum Abzug aus West-Berlin zu zwingen. Das Papier stellt unter anderem die Anzettelung eines Aufstandes in der DDR zur Diskussion, kommt aber zu dem Ergebnis, ein Aufstand sei „keine machbare Geheimaktion, es sei denn, ein offener militärischer Konflikt zwischen der Sowjetunion und dem Westen stünde unmittelbar bevor". Mehr
    • 24. März

      1961

      In einem RIAS-Interview bezeichnet der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Ernst Lemmer, das Fiasko der DDR-Wirtschaft, das die 12. Tagung des SED-Zentralkomitees offenbart habe, als „Folge einer falschen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik, das die Unschuldigen an diesem Missstand am meisten treffe". Mit dem „Blick auf ganz Deutschland" bittet er die Landsleute in der „Zone", ihren Entschluss, „sich nach dem Westen abzusetzen", sehr gründlich zu überlegen. Sie sollten prüfen, „ob sie nicht unserem Land und unserem Volk einen größeren Dienst leisten, wenn sie bleiben".
    • 25. März

      1961

      SED-Politbüromitglied Erich Honecker erklärt am 25. März in der DDR-Volkskammer: „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel – oder richtiger gesagt – hält weder Brandt noch Strauß auf."
    • 27. März

      1961

      Italienischer Gastarbeiter im Duisburger Bergwerk Walsum; Aufnahme 28. Mai 1962
      Trotz des Zustroms von Flüchtlingen aus der DDR herrscht in der Bundesrepublik aufgrund der hohen wirtschaftlichen Wachstumsraten Arbeitskräftemangel. Die Bundesregierung startet Initiativen zur Anwerbung von Gastarbeitern, zunächst vor allem aus Italien.
    • 28./29. März

      1961

      In Moskau tagt der Politisch Beratende Ausschuss der Warschauer Vertrags-Staaten. SED-Chef Ulbricht beklagt, dass West-Berlin ein „großes Loch inmitten unserer Republik" darstelle, „das uns jährlich mehr als eine Milliarde Mark kostet". Mehr
    • März 1961

      Im März 1961 flüchten 16.094 Menschen aus der DDR. Davon sind 50,6 Prozent Jugendliche unter 25 Jahren.
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