Zurück zur Übersicht Tour 03

Die Gründung zweier deutscher Teil-Staaten (1949)

Unterzeichnung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland in Bonn; Aufnahme 23. Mai 1949
Proklamation der Deutschen Demokratischen Republik (am Mikrophon: Wilhelm Pieck, Präsident der DDR); Aufnahme 7. Oktober 1949
In den drei Westzonen und den Westsektoren Berlins verordnen die Besatzungsmächte USA, Großbritannien und Frankreich den Westdeutschen und West-Berlinern eine Demokratie nach westlichem Muster: Auf der Grundlage einer privatwirtschaftlichen Eigentumsordnung entsteht 1949 ein demokratischer Verfassungsstaat mit Mehrparteiensystem, Gewaltenteilung, pluraler Institutionenordnung und freien Wahlen: die Bundesrepublik Deutschland – ein Bollwerk gegen den Kommunismus. In der Sowjetischen Besatzungszone und im sowjetisch besetzten Sektor Berlins wird unter sowjetischer Kontrolle auf der Basis einer verstaatlichten Wirtschaft eine kommunistische Einparteiherrschaft etabliert. Die allein regierende SED schaltet die bürgerlichen Parteien sowie die Gewerkschaften gleich und unterdrückt jede politische Opposition. Freie Wahlen werden nicht abgehalten. Am 7. Oktober 1949 wird auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone die „Deutsche Demokratische Republik" proklamiert – ein militärischer Vorposten der Sowjetunion in Mitteleuropa.
Die Bundesregierung erhebt nach der doppelten Staatsgründung einen Alleinvertretungsanspruch für alle Deutschen; da die DDR-Regierung nicht aus freien Wahlen hervorgegangen ist, erkennt sie die DDR als Staat nicht an. Nehmen dritte Staaten diplomatische Beziehungen zur DDR auf, reagiert die Bundesregierung darauf mit Gegenmaßnahmen bis hin zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Damit gelingt es der Bundesrepublik, die DDR bis zum Ende der sechziger Jahre außenpolitisch zu isolieren. Die DDR selbst hält zunächst ebenfalls am Ziel der deutschen Einheit fest, aber nur unter sozialistischem Vorzeichen: Eine Wiedervereinigung durch eine freie, allgemeine und gleiche Wahl lehnen die SED-Machthaber ab.

Umfangreiche Demontagen und hohe Reparationsforderungen der Sowjetunion verlangsamen den Wiederaufbau in der DDR. Die sozialistische Planwirtschaft erweist sich zudem als ineffizient. Die wirtschaftliche Kluft zwischen der DDR und der Bundesrepublik wird in den 1950er Jahren immer tiefer. Viele Bewohner der DDR entscheiden sich zur Flucht aus der DDR: aus wirtschaftlichen, politischen und familiären Gründen.

Notaufnahmelager Marienfelde in West-Berlin: Durchgangsstation für Hunderttausende von DDR-Flüchtlingen; Aufnahme 1958
Zum Seitenanfang