Schließen X
Tour 10

Todesopfer an der Berliner Mauer

Gedenkkreuze für Todesopfer an der Mauer im Berliner Regierungsviertel; Aufnahme 16.10.2005
Mindestens 140 Menschen werden zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer getötet oder kommen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben (Stand: August 2017).

Darunter befinden sich
  • 101 DDR-Flüchtlinge, die beim Versuch, die Grenzanlagen zu überwinden, erschossen wurden, verunglückten oder sich das Leben nahmen,
  • 30 Menschen aus Ost und West ohne Fluchtabsichten sowie 1 sowjetischer Soldat, die erschossen wurden oder verunglückten,
  • 8 im Dienst getötete DDR-Grenzsoldaten, die durch Fahnenflüchtige, Kameraden, einen Flüchtling, einen Fluchthelfer sowie einen West-Berliner Polizisten ums Leben kamen.


  • Darüber hinaus verstirbt eine unbekannte Anzahl zumeist älterer Reisender aus Ost und West vor, während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen vornehmlich an den Folgen eines Herzinfarktes; mehr als 200 von ihnen sind bis heute namentlich bekannt.

Peter Fechter verblutet an der Mauer: Seine Hilferufe werden gehört - aber niemand hilft; Aufnahme 17. August 1962
Wolf-Olaf Muszynski, geboren am 1. Februar 1947, im Februar 1963 bei einem Fluchtversuch im Berliner Grenzgewässer ertrunken: Bergung am Kreuzberger Spree-Ufer; Aufnahme 1. April 1963
Tötungen und Morde an der Berliner Mauer – wie an der innerdeutschen Grenze, der Ostsee und den außerdeutschen DDR-Grenzen – sind die Spitze der Gewalt, die von der DDR-Grenzsicherung ausgeht. Die SED-Führung nimmt das Töten billigend in Kauf. Doch ihr ist auch bewusst, dass Schüsse und Tote an der Grenze – vor allem zu Zeiten der Entspannungspolitik – der DDR in der internationalen Öffentlichkeit keinen guten Ruf bescheren. Deshalb versucht sie gemeinsam mit Grenztruppen und Staatssicherheitsdienst, Todesfälle wann immer möglich zu verheimlichen und zu verschleiern.

Selbst Leichname lässt die Staatssicherheit spurlos verschwinden. Die Wahrheit über die Todesumstände ihrer Angehörigen erfahren die Familien oft erst in den 1990er-Jahren – nach der Öffnung der DDR-Archive und im Zuge der strafrechtlichen Ermittlungen gegen die Gewalttaten an der Grenze.

Willi Block, erschossen an der Berliner Mauer: DDR-Grenzsoldaten bergen den Getöteten, Aufnahme der West-Berliner Polizei; Aufnahme 7. Februar 1966