Chronik
13. Juli 1961
Ereignismeldung der West-Berliner Polizei: "Die Lage an der Sektor- und Zonengrenze ist unverändert. - Am 13.7.1961, in der Zeit von 15.25 Uhr bis 16.10 Uhr, wurden am Sektorgrenzübergang Wollankstraße durch Vopo und AZKW-Angehörige (Amt für Zoll und Kontrolle des Warenverkehrs, d. Hg.) verschärfte Kontrollen bei Fußgängern und Fahrzeugführer durchgeführt. - Der Interzonenverkehr verlief normal."
Auf einer Pressekonferenz unmittelbar vor Abschluss seines zweitägigen Berlin-Besuches zeigt sich Bundeskanzler Konrad Adenauer besorgt über die Fluchtwelle aus der DDR: "Es scheint eine Panik ausgebrochen zu sein in der Zone, und offenbar ist der Druck auf die Menschen dort verstärkt worden und dadurch dieses Gefühl: nun wollen wir noch so schnell wie möglich in die Freiheit kommen, vergrößert worden. Ich bedauere das außerordentlich, denn es sind Deutsche, die da unter einem Regime gezwungenermaßen leben müssen, das für sie unerträglich ist. Ich hoffe, dass auch das ganze Ausland das einsieht, dass, wenn so viele Menschen ihre Existenz, die Bauern Haus und Hof, der Handwerker seinen Betrieb, wenn sie ihre Freunde und Verwandten verlassen, um hierher zu kommen, dann Zustände da herrschen müssen, die menschenunwürdig sind und die zu beseitigen die Aufgabe aller freiheitsliebenden Länder sein muss." Adenauer spricht sich mit Nachdruck gegen den von Willy Brandt aufgegriffenen Vorschlag einer Konferenz aller ehemaligen Kriegsgegner Deutschlands aus: "Sie wäre nur Zeitverschwendung."
Das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" veröffentlicht unter der Überschrift "Vereitelte Absichten der Militärkirche" einen Artikel zum Verbot "des sogenannten Kirchentages". Darin heißt es unter anderem: "Die politischen Absichten der westdeutschen Militärkirche (...) haben nichts mit Religion, sondern nur mit deren Missbrauch für Zwecke des kalten Krieges zu tun. Sie zielen eindeutig darauf ab, zum Zwecke politischer Provokation durch ein Kirchentagspräsidium, das am Ende keine Verantwortung übernehmen würde, Kirchentagsveranstaltungen nach Berlin zu verlegen." Ferner wird behauptet: "Die Aufträge Strauß' an die Militärkirche laufen darauf hinaus, fortwährend Spannungen zu erzeugen und die Kirchentagsbesucher, ob sie es wollen oder nicht, als einen Stoßtrupp der atomaren Kriegsvorbereitung zu benutzen."


