Chronik
24. Juni 1961
Unter dem Druck der anhaltend schlechten Zahlungsbilanz erwägt die Londoner Regierung eine Überprüfung der Devisenkosten für die britischen Truppen in der Bundesrepublik. Dies meldet die Deutsche Presseagentur. Die "Financial Times" hat am Vortag dazu geschrieben: "Es ist offensichtlich jetzt beabsichtigt, den Deutschen vorzutragen, dass Großbritannien nicht weiterhin den gegenwärtigen Anteil an Militärkosten tragen kann und dass es angesichts der jeweiligen Lage der britischen und der westdeutschen Wirtschaft unvernünftig wäre, dies zu erwarten."
Als "großen Nervenkrieg", der an Intensität alle diplomatischen Aktionen der letzten Jahre übertreffe, charakterisiert der Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau", Karl Gerold, die gegenwärtige Auseinandersetzung zwischen Ost und West. Angesichts der harten Worte auch auf amerikanischer Seite sei die zentrale Frage, "ob es den Westmächten gelingen wird, bei den künftigen Verhandlungen die auf lange Sicht geplante, endgültige Fixierung der Spaltung Deutschlands in zwei Staaten zu verhindern und zugleich die Rechte des Westens in Berlin mit allen Garantien für die Freiheit von West-Berlin durchzusetzen." Gerold verneint den ersten Teil und hält nur eine positive Lösung des zweiten Teils der Frage für möglich: "Heute danach gefragt, meinen wir, dass die West-Berliner Freiheit mit allen Garantien gesichert werden kann - die Aufspaltung Deutschlands in zwei de facto bestehende Staaten nicht mehr zu ändern ist. Damit meinen wir, man sollte vom deutschen Standpunkt aus aufhören, mit Illusionen zu argumentieren, wie etwa der 'Wiedervereinigung in Freiheit'. Sicher klingt das, was wir damit darstellen, sehr bitter. Bitterer aber ist die weitere Nährung von Illusionen, die wie Luftballons im entscheidenden Augenblick platzen."


