Chronik

26. Juni 1961

Der NATO-Generalsekretär Dirk Stikker äußert sich während eines Besuchs in der Bundesrepublik über die Haltung der NATO zur Deutschland- und Berlin-Frage: "Wir werden im NATO-Sekretariat in Paris oft von deutschen Besuchern gefragt, was die NATO eigentlich für die Wiedervereinigung Deutschlands tut oder zu tun gedenkt. Nun, wir haben im NATO-Rat vor jeder Konferenz der drei Westmächte mit der Sowjetunion die westlichen Verhandlungspositionen in allen Einzelheiten besprochen und nach Mitteln und Wegen gesucht, wie der Westen mit den Sowjets in der Deutschlandfrage ins Gespräch kommen könnte. Solange aber die Sowjets keine Verhandlungen wollen, sondern nur ein Diktat, ist an Fortschritte nicht zu denken. Wir sind uns alle darüber klar, dass Gewaltanwendung als Mittel zur Erreichung der Wiedervereinigung nicht in Frage kommt. Sie wissen selbst am besten, was ein Krieg bedeuten würde, und wir sind deshalb entschlossen, einen Krieg nur dann zu führen, wenn er uns vom Gegner aufgezwungen wird."

Und zur Berlin-Krise erklärt Stikker: "Ich gehöre nicht zu denen, die glauben, dass Herr Chruschtschow blufft; aber ich fürchte manchmal, dass er das vitale Interesse aller NATO-Mächte an der Erhaltung der Freiheit Berlins und ihre Entschlossenheit, diese Freiheit zu verteidigen, unterschätzt. Herrn Chruschtschow von einer derart verhängnisvollen Fehleinschätzung abzuhalten, muss in den kommenden Monaten unsere ganze Aufgabe sein. Hierzu genügen nicht Worte: Wir müssen vor allem den Geist deutlich machen, der uns alle beseelt: unverbrüchliche Solidarität, Opferbereitschaft und letzte Entschlossenheit in der Verteidigung der gemeinsamen Freiheit."

Bundeskanzler Konrad Adenauer erklärt in einem Interview mit einer amerikanischen Fernsehgesellschaft, es gebe nichts mit den Sowjets über Berlin zu verhandeln. Auch das Wiener Memorandum Chruschtschows über die Deutschland-Frage habe nichts Neues gebracht. Die deutschen Parteien seien in ihrer Haltung in der Berlin-Frage und zur deutschen Einheit einig. Deshalb hätten diese Probleme auch keinen Einfluss auf den Ausgang der Bundestagswahl.