Chronik

7. August 1961

Über das Wochenende des 6./7. August werden im Flüchtlingslager Berlin-Marienfelde 3.268 Flüchtlinge registriert.

Am Vormittag berichtet SED-Parteichef Walter Ulbricht im SED-Politbüro in einer außerordentlichen Sitzung über die Ergebnisse der Warschauer-Pakt-Tagung vom 3. bis 5. August in Moskau. Das SED-Politbüro legt den Zeitpunkt der Grenzschließung auf den 12./13. August fest. Der entsprechende Beschluss lautet: "Der Beginn der vorgesehenen Maßnahmen zur Kontrolle erfolgt in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag aufgrund eines Beschlusses des Ministerrates." Für Freitag, den 11. August 1961, soll die Volkskammer einberufen werden, und am Wochenende Walter Ulbricht den Ministerrat "zu einem Beisammensein" einladen.

Oberst Ernest von Pawel, der Chef der US-Militärmission in Potsdam, berichtet an das US-Hauptquartier in Heidelberg, dass die Nationale Volksarmee vier Divisionen in Marsch gesetzt habe.

In einer Rundfunk- und Fernsehansprache reagiert Nikita Chruschtschow in einer "Feuer- und Schwertrede" auf die Ansprache John F. Kennedys vom 25. Juli 1961. "Wenn sich die Führer der USA dessen bewusst sind, was ein Krieg mit thermonuklearen Waffen bedeutet, wozu bringen sie dann die Atmosphäre zum Weißglühen, wie das Präsident Kennedy in seiner Rede getan hat?", fragt Chruschtschow rhetorisch. Es sei verständlich, "dass ein dritter Weltkrieg, wenn er ausbrechen sollte, nicht auf ein Duell ausschließlich zwischen den zwei Großmächten, der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika beschränkt bliebe. (...) Wir ziehen das alles in Betracht und haben die nötigen Kampfmittel zur Verfügung, um im Falle der Auslösung eines Krieges durch die Imperialisten nicht nur einen vernichtenden Schlag gegen das Territorium der USA zu führen, sondern auch die Verbündeten des Aggressors unschädlich zu machen und die über die ganze Welt verstreuten amerikanischen Stützpunkte zu bekämpfen."

Chruschtschow wirft den Westmächten vor, für die Berlinkrise verantwortlich zu sein: "Wir wollen keinen Krieg, aber unser Volk wird vor Prüfungen nicht erbeben; auf Gewalt wird es mit Gewalt antworten und jeden beliebigen Aggressor aufs Haupt schlagen." Doch ähnlich wie Kennedy zeigt auch er seine Bereitschaft zu Verhandlungen. Er erklärt, weder den Zugang der West-Alliierten nach Berlin einschränken noch West-Berlin blockieren zu wollen.