Chronik

Januar 1989

Erich Honecker, 18.1.1989

3. Januar: Nach Angaben des Bundesinnenministeriums registrierten die Aufnahmelager in der Bundesrepublik im Jahr 1988 mit 39.832 doppelt so viele Übersiedler aus der DDR wie im Vorjahr (1987: 18.985). Auch die Zahl der deutschstämmigen Aussiedler vor allem aus Polen, der Sowjetunion und Rumänien sowie anderen Staaten schoss 1988 mit 202.673 gegenüber dem Vorjahr in die Höhe (1987: 78.523). Die Zahl der Asylbewerber stieg um 80 Prozent auf 103.076 an (1987: 57.379).

4. Januar: In einer Umfrage des RIAS auf dem Alexanderplatz äußern DDR-Bürger die Hoffnungen, die sie auf den Reformprozess in der Sowjetunion setzen. Ein weiterer Wunsch sind verbesserte Reisemöglichkeiten.

Die Berliner Mauer: Glienicker Brücke

11. Januar: Gegen die Zusicherung von Straffreiheit durch DDR-Rechtsanwalt Wolfgang Vogel verlassen mehr als 20 ausreisewillige DDR-Bürger die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin. Sie hatten sich dort mehrere Tage aufgehalten, um ihre Ausreise zu erzwingen. Inoffiziell ist ihnen durch Rechtsanwalt Vogel das Versprechen gegeben worden: "Ihre Angelegenheit kommt innerhalb dieses Jahres zu einem guten Ende." Bereits Ende Januar treffen die meisten im Notaufnahmelager Gießen ein.

Die Berliner Mauer: Todesstreifen zwischen Kohlhasenbrück und Babelsberg

15. Januar: Unterzeichnung des KSZE-Folgeabkommens in Wien. Darin geht auch die DDR unter anderem nicht nur die Verpflichtung ein, das Recht eines jeden "auf Ausreise aus jedem Land, darunter aus seinem eigenen, und auf Rückkehr in sein Land uneingeschränkt" zu achten, sondern dieses Recht auch gesetzlich zu garantieren und die Einhaltung dieser Verpflichtung beobachten zu lassen. Der sowjetische Botschafter in der DDR, Wjatscheslaw Kotschemassow, gibt später als Äußerung Honeckers wieder: "Wir geben Weisung, dieses Dokument zu unterzeichnen, werden es aber nicht erfüllen."

Die Berliner Mauer: Todesstreifen an der Havel in Niederneuendorf

15. Januar: Massendemonstration in Prag aus Anlass des 20. Jahrestages der Selbstverbrennung von Jan Pallach. Die Polizei geht brutal gegen die Demonstranten vor.

18. Januar: Auf einer Tagung des Thomas-Müntzer-Komitees kündigt SED-Generalsekretär Erich Honecker öffentlich an, die Mauer werde "in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen, wenn die dazu vorhandenen Gründe nicht beseitigt sind." Honecker weiter: "Das ist schon erforderlich, um unsere Republik vor Räubern zu schützen, ganz zu schweigen vor denen, die gern bereit sind, Stabilität und Frieden in Europa zu stören. Die Sicherung der Grenze ist das souveräne Recht eines jeden Staates, und so auch unserer DDR."

Die Berliner Mauer: Führungsstelle der DDR-Grenztruppen am Todesstreifen bei Niederneuendorf


20. Januar: Der bisherige amerikanische Vizepräsident George Bush wird als Nachfolger von Ronald Reagan als 41. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt.