Chronik

Überblick 1967

Berlin-Mitte, Potsdamer Platz: Mit mehr als 30 Schüssen verhindern Grenzsoldaten eine Flucht, 8. Februar 1967

14. Februar: In Bonn findet das erste Treffen der "Konzertierten Aktion" von Gewerkschaftern, Unternehmern und Bundesregierung zur Regulierung der wirtschaftlichen Krise statt.

20. Februar: Die DDR-Volkskammer beschließt das "Gesetz über die Staatsbürgerschaft der DDR“, das statt der bisher geltenden gemeinsamen deutschen Staatsbürgerschaft eine eigene "DDR-Staatsbürgerschaft" einführt.

Berlin-Mitte, Potsdamer Platz: Propagandaplakat

12. April: Bundeskanzler Kiesinger gibt im Bundestag eine Regierungserklärung zur deutschen Frage ab, in der er Maßnahmen zur "Erleichterung der Lebensverhältnisse in ganz Deutschland" vorschlägt.

17.-22.April:In Anwesenheit von KPdSU-Generalsekretär Leonid Breschnew findet in Ost-Berlin der VII. SED-Parteitag statt. In der DDR seien alle Klassengegensätze aufgehoben referiert Ulbricht und proklamiert die "sozialistische Menschengemeinschaft". In der Wirtschaftspolitik wird der Übergang vom "Neuen Ökonomischen System der Planung und Lenkung" (NÖSPL) zum ÖSS ("Ökonomischen System des Sozialismus") beschlossen.

Berlin-Mitte, Todesstreifen am Potsdamer Platz/Leipziger Straße (Aufnahme: 9.2.1967)

19. April: Bundeskanzler a. D. Konrad Adenauer stirbt im Alter von 91 Jahren in Rhöndorf bei Bonn.

24.-26. April: Eine Konferenz der kommunistischen Parteien Europas in Karlsbad/CSSR schlägt die Einberufung einer europäischen Sicherheitskonferenz vor.

1. Mai: Eine Neufassung der "Dienstvorschrift 30/10" des Ministeriums für Nationale Verteidigung zur "Organisation und Führung der Grenzsicherung in der Grenzkompanie" tritt in Kraft. Die den Einsatz der Schusswaffe betreffenden Abschnitte sind im wesentlichen mit der alten Dienstvorschrift aus dem Jahr 1964 identisch. Der "Gebrauch der Schusswaffe" ist festgelegt "zur vorläufigen Festnahme von Personen, die sich den Anordnungen der Grenzposten nicht fügen, indem sie auf Anruf ‘Halt – Grenzposten – Hände hoch!’ oder nach Abgabe eines Warnschusses nicht stehen bleiben, sondern offensichtlich versuchen, die Staatsgrenze zur Deutschen Demokratischen Republik zu durchbrechen und keine andere Möglichkeit zur vorläufigen Festnahme besteht." Der Gebrauch der Schusswaffe sei die "äußerste Maßnahme der Gewaltanwendung gegenüber Personen. Er ist nur dann zulässig, wenn alle anderen Maßnahmen erfolglos bleiben oder dann, wenn es aufgrund der Lage nicht möglich ist, andere Maßnahmen zu treffen." Von der Schusswaffe dürfe kein Gebrauch gemacht werden, heißt es allerdings auch, wenn kein drohender Angriff mehr vorliege.

Zusammenstoß von Schah-Anhängern und Demonstranten vor dem Rathaus Schöneberg, 2.6.1967

2. Juni: Bei einer studentischen Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien, Rezah Pahlewi, in Berlin am Rathaus Schöneberg prügeln Schahanhänger auf die Demonstranten ein. Am Abend wird der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen. Sein Tod wird zum Fanal für die Radikalisierung der Studentenbewegung und der Außerparlamentarischen Opposition in der Bundesrepublik.

14. Juni: In der Bundesrepublik tritt das "Gesetz zur Förderung von Stabilität und Wachstum" in Kraft. Das Gesetz beinhaltet ein konjunkturpolitisches Programm zur "Globalsteuerung", das vier Zielsetzungen verpflichtet ist, die bald als "magisches Viereck" gelten: Preisstabilität, hoher Beschäftigungsstand, Außenhandelsgleichgewicht und Wirtschaftswachstum.

17. Juni: Die Volksrepublik China zündet ihre erste Wasserstoffbombe. Die KPdSU-Führung fürchtet, dass die Sowjetunion eines der ersten Angriffsziele der aufsteigenden chinesischen Supermacht sein könnte.

1. Juli: Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) wandelt sich zur "Europäischen Gemeinschaft" (EG)

13. August: Am 6. Jahrestag rechtfertigt die DDR-Presse den Mauerbau als Tat gegen "abgefeimteste Räuber".

Berlin-Wedding, Bernauer Straße: Die vordere Hausfront als Mauer, September 1967

25. August: Auf einer Sitzung des Militärrates des Kommandos der DDR-Grenztruppen, auf der Stand und Erfolg der Verminung der innerdeutschen Grenze erörtert wird, erklärt der Stasi-Vertreter, Oberstleutnant Harnisch: "Ich bin nicht für eine Reduzierung der Minensperre. Die Kostenfrage darf nicht im Vordergrund stehen. Wir müssen in erster Linie den politischen und moralischen Schaden sehen, der unserer Republik durch Grenzdurchbrüche erwächst. (...) Es darf in der Frage der Minensperren keinerlei Gefühlsduselei geben."

18. September: DDR-Ministerratsvorsitzender Willi Stoph schlägt Bundeskanzler Kiesinger einen Vertragsentwurf über die Herstellung "normaler" völkerrechtlicher Beziehungen vor. Kiesinger lehnt dies in seinem Antwortschreiben vom 28. September als Festschreibung der Teilung Deutschlands ab.

1. Oktober: Der Liedermacher Wolf Biermann folgt einer Einladung der Ost-Berliner Botschaft der Volksrepublik China zum chinesischen Nationalfeiertag. Einem Bericht der DDR-Staatssicherheit zufolge, die ihn observiert, stellt Biermann nach der Vorführung zweier Filme die Frage: "Wie reagiert der chinesische Staat, wenn an ihm Kritik geübt wird?" Ihm wurde geantwortet, dass der Staat bei Kritik nicht einzugreifen brauche, denn das regele in China die Bevölkerung alleine.

1. Dezember: Die DDR benennt ihre Währung von "Mark der Deutschen Notenbank" (MDN) in "Mark der Deutschen Demokratischen Republik" (M) um.

14. Dezember: Der NATO-Rat definiert im Harmel-Plan eine neue Aufgabenbeschreibung der westlichen Verteidigungsgemeinschaft. Die Strategie der flexiblen Reaktion ("flexible response") wird zur neuen NATO-Militärdoktrin.