Chronik

Überblick 1968

An der Berliner Grenze werden die an Jagdsitze erinnernden Holzkonstruktionen durch seriengefertigte Betontürme ersetzt (Juni 1968)

17./18. Februar: In Südvietnam hat Ende Januar die Tet-Offensive des Vietcong begonnen. Im Auditorium Maximum der Technischen Universität Berlin veranstaltet der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) einen Vietnam-Kongress, der den Kampf gegen die USA unterstützt.

Am Rande einer Demonstration, deren Teilnehmer Bilder von Che Guevara, Ernst Thälmann, Mao und Ho Chi Minh als Idole über den West-Berliner Kurfürstendamm tragen, kommt es zu gewaltsamen Ausschreitungen gegen amerikanische Einrichtungen.

Demonstration auf dem West-Berliner Kurfürstendamm gegen den Vietnam-Krieg, 18.3. 1968

11. März: Bundeskanzler Kiesinger erstattet dem Bundestag den ersten "Bericht zur Lage der Nation".

2. April: Beginn des offenen Terrorismus in der Bundesrepublik: Unter dem Verdacht der Brandstiftung in zwei Frankfurter Kaufhäusern werden Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Horst Söhnlein verhaftet. Vorbild der Brandstifter ist der Anschlag auf ein Kaufhaus in Brüssel vom 22. Mai 1967, bei dem 322 Menschen umkamen. Den Europäern soll mit diesen Anschlägen der Napalmtod in Vietnam nähergebracht werden.

8. April: In der DDR tritt eine neue Verfassung in Kraft, in der die DDR als "sozialistischer Staat deutscher Nation" bezeichnet wird. Sie ist zuvor durch einen Volksentscheid gebilligt worden.

Internationaler Vietnam-Kongress im Auditorium Maximum der Technischen Universität Berlin, Ansprache: Rudi Dutschke, 17.-18.2.1968, Kundgebung

11. April: In West-Berlin wird der Vorsitzende des SDS, Rudi Dutschke, auf offener Straße niedergeschossen und schwer verletzt. In vielen Städten der Bundesrepublik finden Demonstrationen der Außerparlamentarischen Opposition gegen den Mordanschlag statt ("Osterunruhen"). In Berlin werden Auslieferungsfahrzeuge des Springer-Verlages, dessen Hetze gegen die Studentenbewegung den Attentäter mit motiviert haben soll, in Brand gesetzt und ein Anti-Springer-Tribunal abgehalten.

28. April: Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg zieht die rechtsextreme NPD mit 9,8 Prozent der Stimmen in das Landesparlament ein; CDU und FDP halten ihren Stimmenanteil, die SPD erleidet starke Verluste.

30. Mai: Trotz aller Proteste, deren Höhepunkt ein Sternmarsch der APO auf Bonn am 11. Mai war, verabschiedet der Bundestag die Notstandsgesetze.

11. Juni: Die DDR-Regierung führt eine Paß- und Visapflicht im Reise- und Transitverkehr zwischen der BRD und West-Berlin und eine Steuerausgleichsgabe für den Transportverkehr ein.

13.-15. Juni: Auf dem 10. Deutschen Bauernkongress der DDR wird die Trennung von Tier- und Pflanzenproduktion programmatisch durchgesetzt.

Springer-Enteignungskampagne in Berlin 1968: Anleihe der Anti-Springer-Kampagne

1. Juli: In der DDR treten ein neues Strafgesetzbuch und eine neue Strafprozessordnung in Kraft. Paragraf 213 StGB regelt den "ungesetzlichen Grenzübertritt".

20./21. August: 21. August 1968: In den frühen Morgenstunden gibt Radio Prag bekannt: "Gestern, am 20. August 1968 um 23.00 Uhr, haben Truppen des Warschauer Paktes die Staatsgrenzen der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik überschritten. (...)

Sowjetische Panzer beenden die Reformversuche in der Tschechoslowakei, August 1968

Das Präsidium des ZK der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei betrachtet diesen Akt als Widerspruch nicht nur zu den existierenden Beziehungen zwischen den sozialistischen Staaten, sondern auch als Verneinung der elementaren Normen des internationalen Rechts. Der "Prager Frühling" wird von Truppen der Warschauer-Pakt-Staaten niedergeschlagen.

22. September: In der Bundesrepublik wird nach dem Verbot der KPD im Jahr 1956 mit der "Deutschen Kommunistischen Partei" (DKP) erstmals wieder eine kommunistische Partei zugelassen.

Die DKP, ihre Untergliederungen, Tarnorganisationen und Unternehmen stehen der SED und DDR nahe und werden von ihr mitfinanziert.

Olympische Spiele in Mexiko 1968

12.-27. Oktober: Olympische Spiele in Mexico City. Erstmals nehmen zwei deutsche Mannschaften an den Spielen teil, zum letzten Mal jedoch noch mit einer gemeinsamen Flagge und Hymne.

12. November: Der sowjetische Partei- und Staatschef Leonid Breschnew verkündet auf dem Parteitag der polnischen Kommunisten das Recht der UdSSR, bei Bedrohung des Sozialismus auch in einem anderen Land einzuschreiten zu können. Die Formel über die "begrenzte Souveränität sozialistischer Länder" wird als "Breschnew-Doktrin" bekannt.