Chronik

Überblick 1969

Flughafen Berlin-Tegel: Zwei DDR-Bürger zwingen eine polnische Verkehrsmaschine zur Landung (1969)

26./27. Februar: US-Präsident Richard Nixon besucht die Bundesrepublik und West-Berlin.

2. März: Die Sowjetunion und China beginnen am Grenzfluss Ussuri kriegerische Handlungen, die mehrere Wochen anhalten. Der Konflikt mit China veranlasst die Sowjetunion, ihre Front gegen Westeuropa zu befrieden. Am 17. März schlagen die Warschauer-Pakt-Staaten dem Westen eine europäische Sicherheitskonferenz vor.

5. März: Die Bundesversammlung wählt den Sozialdemokraten und bisherigen Bundesjustizminister Gustav Heinemann in West-Berlin zum Bundespräsidenten.

9. April: Am Abend, gegen 21.50 Uhr, wird der 28jährige Johannes Lange an der Sektorengrenze zwischen den Berliner Bezirken Mitte und Kreuzberg bei einem Fluchtversuch erschossen. Die Schüsse werden im Westteil gehört, doch der Name des Getöteten bleibt zunächst unbekannt.

28. April: Auf der Hannover-Messe wird ein Gasröhren-Geschäft zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion eingefädelt, durch das die Bundesrepublik zum wichtigsten westlichen Handelspartner der Sowjetunion aufsteigt.

Der Versuch, mit einer


7. Juli: Fluchthelfer versuchen, eine 18-Jährige in dem Hohlkörper einer „trojanischen Kuh“ in den Westen zu bringen. Zweimal schon hat das Ausstellungsobjekt Fluchtwilligen geholfen. Doch beim dritten Versuch fliegt der Trick auf: Am DDR-Grenzübergang Drewitz wird das Versteck entdeckt und das Trio verhaftet.

20. Juli: Die amerikanischen Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin landen als erste Menschen auf dem Mond. Mit dem Satz "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit" schreibt sich Armstrong in die Geschichtsbücher ein. Das Raumschiff heißt "Apollo 11", die Mondfähre "Eagle".

September: In der Bundesrepublik treten in diesem Monat zahlreiche Belegschaften an den Gewerkschaften vorbei in "wilde Streiks" für Lohnerhöhungen, da sich die wirtschaftlichen Verhältnisse verbessert haben, die Gewerkschaften jedoch durch die "konzertierte Aktion" gefesselt und durch Tarifverträge gebunden sind.

3. September: In der Nähe des Springer-Hochhauses in Berlin-Kreuzberg gelingt einem Bauarbeiter die Flucht von Ost- nach West-Berlin.

28. September: Bei den Wahlen zum Bundestag erringt die CDU/CSU 46,1 Prozent der Stimmen; SPD (42,7 Prozent) und FDP (5,8 Prozent) bilden mit knapper Mehrheit eine sozialliberale Regierungskoalition. Neuer Bundeskanzler wird Willy Brandt (SPD), Außenminister Walter Scheel (FDP).

In seiner Regierungserklärung vom 28. Oktober betont Brandt seine Bereitschaft, von der Existenz eines zweiten Staates in Deutschland auszugehen und der DDR-Regierung auf der Basis der Gleichberechtigung zu begegnen. Im Mittelpunkt steht die Ankündigung innenpolitischer Reformen.

7. Oktober: Zum 20. Jahrestag der DDR projizieren Scheinwerfer in Ost-Berlin zwei Kreuze in den Nachthimmel. "Warum fällt der 30. Jahrestag aus?", lautet eine scherzhafte Frage in der DDR. Die Antwort: "Weil man dann drei Kreuze machen müsste." Wegen der mangelhaften Versorgung mit Lebensmitteln wird zudem gereimt: "Keine Kohlen im Keller, keine Kartoffeln im Sack, es lebe der 20. Jahrestag!"

Der VEB Textilkombinat Cottbus kreiert "Präsent 20". Der Oberbekleidungsstoff aus 100 Prozent Polyester schreibt als Damenoberbekleidung, Herrenanzug und Uniform DDR-Modegeschichte. - Gerüchte, dass am 7. Oktober die Rolling Stones auf dem Springer-Hochhaus ein Konzert gäben, ziehen Jugendliche nach Ost-Berlin. Mehrere Hundert verdächtig nach Beat-Fans aussehende Jugendliche werden von der DDR-Staatssicherheit verhaftet.

22. Dezember: In den Gefängnissen der DDR sind mehrere Tausend politische Häftlinge eingesperrt. Zwei in die Bundesrepublik freigelassene Häftlinge berichten über die Haftbedingungen in der besonders gefürchteten Strafvollzugsanstalt Cottbus.