Chronik

Überblick 1983

Beobachtungsturm (BT 6) der DDR-Grenztruppen am Haus der Ministerien/Nähe Gropiusbau

Januar 1983: Die DDR-Grenztruppen beginnen an der Berliner Mauer mit dem Aufbau neuer Beobachtungstürme, die nicht mehr rund sind, sondern aus quadratischen Betonfertigteilen errichtet werden. Während die alten Türme eine so geringe Stabilität haben, dass sie bei Gewitter und ab Windstärke 7 nicht mehr betreten werden dürfen, sind die neuen Türme erst bei Windstärke 11 zu verlassen.

6. März: Bei den vorgezogenen Bundestagswahlen erzielen CDU und CSU mit 48,8 Prozent einen klaren Wahlsieg. Die SPD fällt auf 38,2 Prozent, die FDP verliert ebenfalls und kommt nur noch auf 7 Prozent. Die neue Regierungskoalition verfügt dennoch über eine komfortable Mehrheit. Mit 5,6 Prozent der Stimmen ziehen erstmals die Grünen in den Bundestag ein.

Bauschema des neun Meter hohen Beobachtungsturmes (BT 9) der DDR-Grenztruppen

23. März: US-Präsident Ronald Reagan verkündet nach monatelangen Vorüberlegungen und Vorbereitungen seine "Strategic Defense Initiative" (SDI) – ein Forschungsprogramm für eine weltraumgestützte, nicht-nukleare Raketenabwehr. Deren immense technologische Ansprüche und astronomische Kosten sollen die Sowjetunion militär- und finanzpolitisch in die Knie zwingen.

30. März: In einer geheimen Information für die Sowjets zeichnet SED-Politbüromitglied Werner Krolokowski ein dramatisches Bild der ökonomischen Zustände in der DDR und berichtet von der drohenden Zahlungsunfähigkeit.

Aussichtsplattform am Potsdamer Platz, November 1983.

Gleichzeitig äußert er massive Kritik an SED-Chef Erich Honecker, der in seiner Haltung zur Bundesrepublik keine "klassenmäßige" Position vertrete. "Es ist eben ein Paradoxum", so Krolokowski, "dass ein eingefleischter Westdeutscher an der Spitze der DDR steht".

10. April: Am Grenzübergang Berlin-Drewitz erleidet der Transitreisende Rudolf Burkert während einer Vernehmung durch DDR-Grenzorgane einen Herzinfarkt. Spannungen in den deutsch-deutschen Beziehungen sind die Folge.

Bethaniendamm/Ecke Köpenicker Straße, Bezirk Kreuzberg, 11. Oktober 1983.


17. April: SED-Politbüromitglied Günter Mittag, zuständig für Wirtschaftsfragen, besucht die Messe in Hannover. Anschließend führt er in Bonn Gespräche mit Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff und Vertretern der Wirtschaft. Wegen des ungeklärten Todes des Transitreisenden Rudolf Burkert verweigert Bundeskanzler Kohl Mittag jedoch am 10. April den Empfang.

22. April: Deutsch-deutsches Schriftstellertreffen in Ost-Berlin (2. "Berliner Begegnung") zum Thema Frieden und Abrüstung.

SPD-Button zu den vorgezogenen Bundestagswahlen, März 1983

26. April: Der Transitreisende Heinz Moldenhauer stirbt während der Zollabfertigung an der Grenzübergangsstelle Wartha an Herzversagen.

28. April: SED-Generalsekretär Erich Honecker sagt seinen geplanten Besuch in der Bundesrepublik nach den Spannungen aufgrund des Tods zweier bundesdeutscher Transitreisender in der DDR ab.

12. Mai: Auf dem Berliner Alexanderplatz werden fünf Bundestagsabgeordnete der Grünen von der Volkspolizei festgenommen, nachdem sie für Abrüstung in Ost und West demonstriert haben. Nach kurzen Verhören werden sie wieder freigelassen.

5. Juni: SED-Devisenbeschaffer und KoKo-Chef Alexander Schalck-Golodkowski übermittelt dem bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß die massive Warnung Erich Honeckers, dass die "Schotten (zur Bundesrepublik) dichtgemacht" würden, wenn der Handel mit der DDR "eingeschränkt oder nicht durchgeführt" werde. Die DDR werde in diesem Fall ihre "Aufgaben mithilfe des RGW lösen". Wenn Strauß der DDR jedoch helfen könne, die Zahlungsbilanzkrise zu überwinden, berichtet der bayerische Ministerpräsident später in seinen "Erinnerungen" über dieses Gespräch, wäre ihm "der Weg nach Westen" lieber. Als Gegenleistung stellt Honecker eine Reihe humanitärer Erleichterungen in Aussicht, vorausgesetzt, Strauß mache sein Anliegen nicht publik.

8. Juni: Roland Jahn, Mitglied der Jenaer Friedensgruppe, wird in einer spektakulären Aktion von der DDR-Staatssicherheit gegen seinen erklärten Willen in den Westen abgeschoben. Das MfS geht verstärkt gegen die oppositionellen Gruppen vor. Jahn war am 1. September 1982 verhaftet worden, nachdem er sich an einer Solidaritätskundgebung für die polnische Gewerkschaft "Solidarnosc" beteiligt hatte.

16. Juni: Papst Johannes Paul II. besucht seine Heimat Polen und trifft dort am 23. Juni auch mit dem Führer der verbotenen Gewerkschaft Solidarnosc, Lech Walesa, zusammen.

Alexander Schalck-Golodkowski und Franz Josef Strauß (undatiert)

29. Juni: Die Bundesregierung beschließt eine Bundesbürgschaft für einen Kredit in Höhe von einer Milliarde DM, den die DDR bei westdeutschen Banken aufnehmen will. Der Kredit ist in den zurückliegenden Wochen von Alexander Schalck-Golodkowski als Beauftragtem der DDR und Franz Josef Strauß eingefädelt worden. Ein förmliches Junktim zwischen der Kreditgewährung und menschlichen Erleichterungen wird nicht hergestellt, allerdings entsprechende mündliche Absprachen getroffen. Die DDR gesteht Erleichterungen im Reise- und Besucherverkehr sowie eine "großzügigere" Genehmigungspraxis bei Ausreiseanträgen ihrer Bürger zu; die Zahl der legalen, genehmigten Übersiedlungen steigt von 7.729 1983 auf 34.982 im Jahr 1984 an. Daneben verdoppelt die DDR 1984 und 1985 den Export von politischen Häftlingen in die Bundesrepublik (1983: 1.105; 1984: 2.236; 1985: 2.676).

29. Juni: Das MfS-Kollegium befasst sich mit der Weltlage, mit der Lage der DDR (Motto: "Hinter jedem Vorkommnis steht ein uns unbekannter Feind") und auch mit Übersiedlungsersuchen. Zu "rechtswidrig Übersiedlungsersuchenden" heißt es: "Wir müssen wissen, welchen Wert haben diese Personen für unsere sozialistische Gesellschaft, welche Entwicklung haben sie in unserem Staat genommen, was sind sie geworden. Klar bleibt: Für Geheimnisträger gibt es binnen der festgelegten Fristen keine Ausnahmeentscheidung zu Übersiedlung; klar bleibt auch, Feinde werden wie Feinde behandelt. Dort jedoch, wo nach Ausschöpfung aller gesellschaftlichen Möglichkeiten keine Chance mehr besteht, diese Leute wieder zurückzugewinnen, wo wir es mit sogenannten Unverbesserlichen zu tun haben, sind schneller entsprechende Entscheidungsvorschläge zu unterbreiten. Das Entstehen von Eiterbeulen darf nicht zugelassen werden. In solchen Fällen darf nichts verschleppt, muss schnell gehandelt werden."

4.-7. Juli: Bundeskanzler Helmut Kohl und Außenminister Hans-Dietrich Genscher reisen nach Moskau. In den Gesprächen geht es um eine Intensivierung der Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen und eine Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen.

24. Juli: Der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß trifft während einer "Privatreise" am Werbellinsee mit SED-Generalsekretär Erich Honecker zusammen. Anschließend besucht er Dresden. Dort wird er nach dem Verlassen der Gemäldegalerie von mehreren Passanten angerufen: "Bitte helfen Sie uns!"

31. August/1. September: Eine zivile südkoreanische Passagiermaschine des Typs Boeing 747 mit 269 Menschen an Bord kommt auf dem Flug von Alaska nach Seoul 300 Meilen von ihrem Kurs ab und verletzt dabei sowjetischen Luftraum. Die Gründe für die Kursabweichung liegen bis heute im Dunkeln. Der sowjetische SU-15 Pilot Osipowitsch schießt die Maschine auf Befehl mit zwei Raketen ab. Das Flugzeug stürzt ins japanische Meer. Kein Passagier – unter ihnen 63 Amerikaner - überlebt.

Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen sinken auf den Tiefpunkt. In einer Radioansprache bezeichnet US-Präsident Reagan den Abschuss am 5. September sechsmal als "Massaker" und verurteilt ihn als Verbrechen gegen die Menschlichkeit; verweigert aber zugleich durchgreifende Maßnahmen. Die sowjetische Nachrichtenagentur TASS rechtfertigt am 6. September den Abschuss; es habe sich um einen Spionageflug im Auftrag der amerikanischen Regierung gehandelt. Am 7. September verteidigt der sowjetische Außenminister Gromyko den Abschuss öffentlich während seiner Ansprache zur abschließenden Sitzung der KSZE in Madrid. Eine Begegnung zwischen dem amerikanischen Außenminister Shultz und seinem Amtskollegen Gromyko am 8. September in Madrid, die eigentlich zum Ausgangspunkt einer neuen Abrüstungsinitiative werden sollte, erlebt statt dessen eine harte Auseinandersetzung über den Abschuss des Flugzeugs.

Button der DDR-Friedensbewegung

1. September: Mitglieder der DDR-Friedensbewegung werden von der Volkspolizei festgenommen, nachdem sie versucht hatten, zwischen der sowjetischen und der amerikanischen Botschaft in Ost-Berlin eine Menschenkette zu bilden.

15. September: Nach dem Abschluss des Madrider KSZE-Gipfeltreffens veröffentlicht der DDR-Ministerrat erstmals eine Verordnung, die rein formal ein Antragsrecht auf "eine Wohnsitzänderung nach dem Ausland" gewährt, dieses aber auf Übersiedlungen zu Verwandten 1. Grades und Ehepartnern beschränkt. Ein Rechtsanspruch auf eine Genehmigung besteht jedoch selbst in diesen Fällen nicht, denn die Verordnung ist als Kann-Bestimmung gefasst. Zudem enthält sie nicht weniger als zehn Versagungsgründe; den Bürgern muss nicht einmal ein schriftlicher Bescheid ausgehändigt werden und als Beschwerdeinstanz wird ihnen keine andere als die für die Antragsbearbeitung zuständige Behörde zugemutet. "Die DDR geht grundsätzlich davon aus", heißt es in einem geheimen Schulungsmaterial des Innenministeriums, "dass es im Sozialismus keine objektiven gesellschaftlichen Ursachen dafür gibt, dass ein Bürger der DDR seinen sozialistischen Staat verlassen muss. Denn der Sozialismus ist die Gesellschaft des realen Humanismus."

25. September: Als erster Regierender Bürgermeister von Berlin trifft Richard von Weizsäcker in Ost-Berlin mit SED-Generalsekretär Erich Honecker zusammen.

3. Oktober: Die Nachrüstungsdebatte veranlasst den DDR-Verteidigungsminister, in seinem Befehl 101/83 von einer "gefährlichen Zuspitzung der internationalen Lage" zu sprechen, die eine Erhöhung der Gefechtsbereitschaft der Grenztruppen erforderlich mache. In der politischen Erziehung seien die Anstrengungen neben der Liebe zum sozialistischen Vaterland zu richten auf "die Vermittlung eines klassenmäßigen Feindbildes, das die drohende Gefahr einer imperialistischen Aggression klar erkennen lässt, Zweifel an der Brutalität und Hinterhältigkeit des Gegners beseitigt, Abscheu und Hass erzeugt."

5. Oktober: SED-Generalsekretär Erich Honecker kündigt öffentlich den vollständigen Abbau der rund 60.000 Selbstschussanlagen des Typs SM-70 an der innerdeutschen Grenze an. Sie werden bis zum 31.12.1984 entfernt; auch die Erdminen werden bis zum 1. Juli 1985 geräumt. Hintergrund ist, dass am 2. Dezember 1983 die UNO-"Konvention über Verbote und Beschränkungen der Anwendung bestimmter konventioneller Waffen, die übermäßig verletzen oder unterschiedslos wirken können" vom 10.10.1980 für die DDR in Kraft trat. Im Protokoll Nr. 2 dieser Konvention wird die Anwendung von "Minen, heimtückischen Fallen und anderen Vorrichtungen" gegen "die Zivilbevölkerung als solche oder gegen andere Zivilpersonen im Angriff, zur Verteidigung oder als Repressalie" unter allen Umständen verboten.

Oktober: In einem Briefwechsel zwischen Partei- und Staatschef Erich Honecker und Bundeskanzler Helmut Kohl werden zwar die unterschiedlichen Auffassungen bezüglich der Raketenstationierung in der Bundesrepublik und den vom Scheitern bedrohten INF-Verhandlungen in Genf zum Abbau atomarer Mittelstreckenraketen in Europa deutlich. Beide Seiten sind jedoch bemüht, das Klima der deutsch-deutschen Beziehungen von der aufkommenden Eiszeit zwischen den Großmächten freizuhalten; Erich Honecker spricht von einer deutschen "Koalition der Vernunft".

25. Oktober: Auf Einladung der FDJ treten Udo Lindenberg und das Panik Orchester ("Sonderzug nach Pankow") im Ost-Berliner Palast der Republik auf.

11. November: Beginn der streng geheimen Nato-Nuklear-Stabsübung "Able Archer 83" - Beobachtern zufolge vermutlich der Höhepunkt der militärischen Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion. Simuliert wird – ohne Truppen- und ohne Nuklearwaffen-Bewegung – die Befehlsgebung im Falle eines Nuklearkrieges nach dem Pentagon "Single Integrated Operational Plan" (SIOP). Er enthält 50.000 sowjetische Ziele. Die Sowjetunion nimmt diese Übung – Informationen des späteren KGB-Überläufers Oleg Gordiewsky zufolge – sehr ernst; sie versetzt nuklearwaffenfähige Jagdflugzeuge unter anderem in der DDR und in Polen in erhöhte Gefechtsbereitschaft. Gordiewsky zufolge reden KGB-Kreise der sowjetischen Führung ein, dass sich die USA auf einen nuklearen Angriff gegen die Sowjetunion vorbereiten - eine Angst, die sich zu dieser Zeit bis in den sowjetischen Alltag hinein erstreckt. Auch nach dem Ende der NATO-Übung bleibt die Spannung: Am 14. November werden die ersten Cruise Missiles in Großbritannien stationiert.

Totalschaden: Gescheiterte Flucht mit einem Tanklastwagen am Grenzübergang Marienborn, 21. November 1983

21. November: Mit etwa 100 Stundenkilometern durchbrechen zwei junge Männer in einem Tanklastwagen die Schranken und Schlagbäume am Grenzübergang Marienborn Richtung Westen. Als der Wagen Totalschaden erleidet und die Grenzsoldaten das Feuer eröffnen, ist ihr Fluchtversuch gescheitert.

22. November: Der Deutsche Bundestag billigt die Stationierung neuer US-Mittelstreckenraketen und verwirklicht damit den NATO-Nachrüstungsbeschluß. Die Sowjetunion bricht daraufhin am 23. November die INF-Verhandlungen in Genf ab, am 8. Dezember auch die START-Verhandlungen.

24. November: Der sowjetische Parteichef Juri Andropow kündigt militärische Maßnahmen gegen die NATO-Nachrüstung an, unter anderem die Stationierung zusätzlicher Raketen in der DDR und der CSSR und von U-Booten in größerer Nähe zur Küste der USA.

25. November: In einer Rede vor dem SED-Zentralkomitee führt Generalsekretär Erich Honecker aus, dass durch die Raketenstationierungs-Entscheidung "ernsthafter Schaden" für das europäische Vertragssystem, einschließlich des Grundlagenvertrages über die Beziehungen zwischen der DDR und BRD entstanden sei, fährt aber im nächsten Satz fort: "Wir sind dafür, den Schaden möglichst zu begrenzen."

28. November: "Die Staaten, die der Stationierung der Raketen zugestimmt haben, müssen jetzt politisch die Folgen dieser Entscheidung spüren", teilt die KPdSU-Führung dem SED-Politbüro nach dem NATO-Stationierungsbeschluss vertraulich mit. Die Moskauer Führung kündigt an erster Stelle eines "Aktionsplanes" negative Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen der BRD und der UdSSR und den anderen sozialistischen Ländern an. Die "deutschen Freunde" fordert man auf, "der BRD begreiflich zu machen, wie sehr sich die Lage nach der Stationierung dieser Raketen verändert hat, unter anderem durch das beharrliche Aufwerfen politischer Probleme - der Frage der Grenzen, der Staatsbürgerschaft usw., durch verstärkte Kontrollen bei der Einreise westdeutscher Bürger in die DDR und anderes mehr".

5. Dezember: Auf einer Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Thüringens wird die Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen in der DDR kritisiert.

10. Dezember: Friedensnobelpreis für den Führer der verbotenen polnischen Gewerkschaft "Solidarnosc", Lech Walesa.

14. Dezember: In Moskau schlägt Verteidigungsminister Ustinow vor sowjetischen Kriegsveteranen versöhnlichere Töne gegenüber dem Westen an. Wie kompliziert die militärische und politische Lage auch sei, es gebe keinen Grund, sie zu dramatisieren.

19. Dezember: In einem längeren Telefonat bekunden SED-Chef Erich Honecker und Bundeskanzler Helmut Kohl trotz der angespannten Lage zwischen Ost und West nach der Stationierung neuer Raketensysteme ihre beidseitige Bereitschaft zur weiteren Zusammenarbeit und dem Ausbau der Beziehungen zwischen der DDR und der Bundesrepublik.

25. Dezember: Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird der 21-jährige Maurer Silvio Proksch bei einem Fluchtversuch über die Berliner Mauer angeschossen. Über geraume Zeit wird ihm keine medizinische Hilfe zuteil. Silvio Proksch verblutet im Todesstreifen. Der Todesschütze wird mit der Verdienstmedaille der Grenztruppen in Bronze ausgezeichnet. Die DDR-Staatssicherheit verheimlicht den Vorfall und lässt die Leiche des Getöteten verschwinden. 1990/1991 sprechen die WDR-Fernsehjournalisten Werner Filmer und Heribert Schwan mit Irene Agotz, der Schwester von Silvio Proksch, und dokumentieren ihre Erinnerung an die Fluchtgeschichte ihres Bruders und den Umgang der Stasi mit den Familienangehörigen.

30. Dezember: Die Deutsche Reichsbahn (DDR) und der West-Berliner Senat einigen sich auf die Übernahme der S-Bahn im West-Berliner Stadtgebiet durch den Senat.

Ausschnitt aus einem amerikanischen Schaltkreis mit spöttischem Gruß an die sowjetischen

Dezember 1983: Die Geheimdienste in Ost und West intensivieren ihre Aktivitäten auf dem Gebiet der Hochtechnologie. In Moskau fordert Wladimir Krjutschkow, Chef der I. KGB-Abteilung, während eines Treffens der KGB-Spitze, angesichts der CoCom-Maßnahmen neue geheimdienstliche Ressourcen zur Beschaffung von Hoch-Technologie zu erschließen. Gleichzeitig startet die CIA ein ökonomisch-technologisches Desinformationsprogramm: Über Mittelsmänner - wie zum Beispiel Geschäftsleute im Ost-West-Handel - werden gefälschte oder unvollständige technologische Papiere, Daten und sonstige Informationen an sowjetische Techniker herangebracht (einschließlich blueprints für Gasturbinen, Mikrochips, Chemikalien usw.).