4. Flucht aus der DDR vor dem Mauerbau (1949-1961)

DDR-Flüchtlinge im West-Berliner Notaufnahmelager Marienfelde, April 1960

Dreieinhalb Millionen Menschen flüchten zwischen 1945 und 1961 aus der Sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR in die Bundesrepublik. Sie fliehen, weil sie Verwandte im Westen haben, weil ihnen Grund und Boden weggenommen wird, weil sie als Christen benachteiligt und verfolgt werden, weil die Versorgung schlecht ist, weil die politische Freiheit stirbt. Beschlüsse der SED zum beschleunigten Aufbau des Sozialismus, Rentenkürzungen, Preiserhöhungen für Lebensmittel und schließlich die Erhöhung der Arbeitsnormen lösen den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 aus, der in Forderungen nach freien Wahlen und Wiedervereinigung kulminiert. Sowjetische Soldaten und Panzer eilen dem SED-Regime zu Hilfe und schlagen den Aufstand nieder.

DDR-Flüchtlinge im West-Berliner Notaufnahmelager Marienfelde, April 1960

Nach dem 17. Juni 1953 verstärkt sich die Fluchtbewegung aus der DDR dramatisch; in den Folgejahren schwillt sie mit jeder Repressionsmaßnahme und jedem politischen Ereignis, das die Spaltung Deutschlands vertieft, erneut an: 1955 nach der Unterzeichnung des Warschauer Pakts, 1956 nach der Gründung der Nationalen Volksarmee, 1957 mit der Verschärfung des Kampfes gegen die Kirchen, 1960 mit der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft.

Das SED-Regime reagiert auf diese "Abstimmung mit den Füßen" zunehmend härter: Bereits am 26. Mai 1952 sperren militärische Einheiten die Grenze zur Bundesrepublik mit Stacheldraht ab. Gleichzeitig werden in Berlin zahlreiche Straßen zwischen Ost und West und die direkten Fernsprechverbindungen gesperrt. Wegen des alliierten Status der Stadt läuft der Verkehr über die verbleibenden 81 Sektorenübergänge trotz der wirtschaftlichen und politischen Teilung weiter – und auch die Flucht über Ost- nach West-Berlin.

DDR-Flüchtlinge im West-Berliner Notaufnahmelager Marienfelde, April 1960

Im Dezember 1957 verschärft die SED-Führung die Strafgesetze: Das Verlassen der DDR wird als "Republikflucht" strafrechtlich verfolgt und mit Haftstrafen bis zu drei Jahren geahndet; schon Vorbereitung und Versuch werden mit Gefängnis bedroht. Im Sommer 1961 schwillt der Flüchtlingsstrom über Berlin dramatisch an. Die DDR-Propaganda wirft dem Westen Abwerbung und Menschenhandel vor, intern kennt man jedoch die wirklichen Fluchtmotive: Ablehnung der politischen Entwicklung in der DDR, bessere Lebenschancen im Westen.


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