Schmiel, Dorit
Es ist kurz nach Mitternacht, als sich fünf Jugendliche bei diesig-trübem Wetter am Wilhelmsruher Damm der Grenze zum West-Berliner Bezirk Reinickendorf nähern. Mit einer Drahtschere schneiden sie ein Loch in den ersten Zaun und schlüpfen nacheinander in den dahinter befindlichen Sperrstreifen.
Jercha, Heinz
Die Stasi-Männer eröffnen umgehend das Feuer und nehmen die Verfolgung auf, können aber weder Jercha noch Seidel daran hindern, durch den Tunnel nach West-Berlin zu entkommen. Dennoch werden ihre Schüsse Heinz Jercha zum Verhängnis. Es ist, wie die Obduktion ergibt, ein Querschläger, der ihn in die Brust trifft und die tödlichen Verletzungen hervorruft.
Held, Philipp
Am 22. April 1962 entdecken Angehörige der DDR-Grenzpolizei die Leiche von Philipp Held in der Spree. Alles deutet darauf hin, dass er beim Versuch, vom Osthafengelände in Berlin-Friedrichshain an das gegenüberliegende West-Berliner Ufer zu schwimmen, ertrunken ist.
Schmidtchen, Jörgen, im Dienst getöteter Grenzsoldat
Jörgen Schmidtchen ist der erste Grenzpolizist, der nach dem Mauerbau ums Leben kommt, während er an der Grenze zu West-Berlin seinen Dienst versieht. In der Nacht zum 18. April 1962 wird er von dem Offiziersschüler Peter Böhme, der zusammen mit seinem Kameraden Wolfgang G. von Potsdam nach West-Berlin flüchten will, erschossen.
Böhme, Peter
In dem Glauben, es handle sich um eine Kontrollstreife, sei der Postenführer Schmidtchen auf die beiden Uniformierten zugelaufen und habe sie nach der Parole gefragt, wird G. später aussagen. Dann sei es zu einem heftigen Schusswechsel gekommen, in dessen Verlauf Peter Böhme und Jörgen Schmidtchen tödlich getroffen werden, während Wolfgang G. unverletzt nach West-Berlin entkommen kann.
Brueske, Klaus
In der Nacht vom 17. zum 18. April 1962 unternehmen drei junge Ost-Berliner eine tollkühne Fluchtaktion: Mit einem LKW rasen sie auf die Absperrungen am Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße zu. Im Kugelhagel der DDR-Grenzposten gelingt es ihnen, nach West-Berlin durchzubrechen. Zwei der Insassen kommen mit Blessuren davon. Doch der 23 Jahre alte Klaus Brueske, der am Steuer des Fluchtwagens sitzt, erleidet tödliche Verletzungen.
Frank, Horst
Gegen 00.30 Uhr versucht der 19-jährige Horst Frank, wie es im DDR-amtlichen Sprachgebrauch heißt, nach West-Berlin "durchzubrechen". Er hat einem Rapport der Grenzpolizei zufolge "bereits den zweiten Drahtzaun überstiegen, als er durch unsere Posten angerufen wurde."
Göring, Peter, in Dienst getöteter Grenzsoldat
Entgegen des ausdrücklichen Befehls seines Postenführers verließ Peter Göring den Wachturm, um sich eine günstige Schussposition zu verschaffen. In diesem Moment wurde auf der anderen Seite des Kanals ein Polizeibeamter auf den schießenden Grenzposten aufmerksam. Da er sich bedroht fühlte, habe er das Feuer erwidert, gibt dieser später zu Protokoll, "worauf der Vopo plötzlich verschwand und vermutl(ich) getroffen war."
Haberlandt, Lutz
Nach einem Warnschuss gibt der Grenzer K. von diesem Turm aus zwei gezielte Schüsse ab. Eine der Kugeln trifft Lutz Haberlandt in den Kopf. Er erleidet einen Schädeldurchschuss und bricht tödlich verletzt zusammen. Ärzte, Schwestern und Patienten der anliegenden Nervenklinik der Charité werden Zeugen, wie er ungefähr 40 Minuten lang im Gebüsch liegen gelassen wird.
Hannemann, Axel
Es ist 17.15 Uhr, als der Jugendliche von der Brücke auf einen Lastkahn springt, der von der Zollkontrolle kommt und Richtung Westen unterwegs ist. Der Schiffsführer weigert sich jedoch den Jugendlichen mitzunehmen, bringt das Schiff zum Stehen und alarmiert Zoll und Grenzposten. Daraufhin gerät Axel Hannemann mit dem Schiffer in ein Handgemenge, aus dem er sich schließlich befreit, um in den Fluss zu springen und das West-Berliner Ufer schwimmend zu erreichen.
Glöde, Wolfgang
Als zwei Grenzpolizisten an diesem Tag einigen Kindern, die in der Kolonie spielen, ihre Maschinenpistolen zeigen, löst sich ein Schuss. Tödlich getroffen bricht der 13-jährige Wolfgang Glöde zusammen.
Kelm, Erna
In den frühen Morgenstunden des 11. Juni 1962 sieht ein Angler am West-Berliner Ufer der Havel die Leiche einer Frau im Wasser treiben. Er verständigt die Polizei, die die Tote kurze Zeit später mit einem Boot an Land bringt. Die Grenze zur DDR verläuft an dieser südlich von Nikolskoe gelegenen Stelle in der Mitte des Flusses.
Huhn, Reinhold, im Dienst getöteter Grenzsoldat
Als Reinhold Huhn auf die kleine Gruppe zukommt, lässt Rudolf Müller, so schildert er es später, seine Angehörigen weitergehen. Um den jungen Grenzposten von der Kontrolle abzubringen, habe er ihm erklärt, dass sie nur zu einer Geburtstagsfeier gehen würden. Als der Posten seinem Auftrag gemäß dennoch kontrollieren will, fasst Rudolf Müller in die Innentasche seiner Jacke, zieht eine Pistole und schießt.
Noffke, Siegfried
Der 22 Jahre alte West-Berliner und seine beiden Mitstreiter wollten ihren Familien aus dem anderen Teil der Stadt zur Flucht verhelfen. Bei der Öffnung des Tunnels gerieten sie am 28. Juni in einen Hinterhalt und wurden, ohne selbst bewaffnet zu sein, rücksichtslos beschossen.
Fechter, Peter
Es ist noch früh am Nachmittag, als in der Zimmerstraße, wo die Mauer quer durch das einstmals belebte Berliner Zeitungsviertel verläuft, Schüsse fallen. Bei der West-Berliner Polizei geht die erste Meldung um 14.12 Uhr ein. Wie sich bald herausstellt, gelten die Schüsse der Grenzposten zwei Jugendlichen, die zwischen Charlotten- und Markgrafenstraße über die Mauer flüchten wollen.
Wesa, Hans-Dieter
Hans-Dieter Wesa, so gibt B. später zu Protokoll, wie zum Scherz gesagt, seine Schwester in Westdeutschland würde sicher staunen, wenn er dort auftauchte. Doch habe er dieser Bemerkung keinerlei Bedeutung beigemessen, da Wesa als zuverlässiger Genosse galt. Erst als sein Kamerad nach Anbruch der Dunkelheit verschwindet, scheint B. misstrauisch geworden zu sein.
Mundt, Ernst
Am Nachmittag des 4. September 1962 knallen zwei Schüsse in die Stille des Friedhofs. Tödlich getroffen stürzt ein Mann von der Friedhofsmauer zwischen die Gräber. Auf der anderen Seite der Bernauer Straße reißen West-Berliner Anwohner ihre Fenster auf und sehen, wie ein lebloser Körper von Grenzsoldaten auf einer Tragbahre abtransportiert wird.
Seling, Günter, im Dienst getöteter Grenzsoldat
"Mit militärischen Ehren ist, wie erst jetzt bekannt wurde, am vergangenen Freitag ein Angehöriger der Sowjetzonengrenztruppen auf dem Friedhof Stahnsdorf bei Berlin beigesetzt worden. Der Soldat war von einem Kameraden erschossen worden, der ihn wegen des dichten Nebels für einen Flüchtling gehalten hatte." Mit diesen Worten berichtet im Oktober 1962 "Die Welt" vom Tod eines DDR-Grenzsoldaten.
Walzer, Anton
Am Abend des 8. Oktober 1962 versucht er nach West-Berlin zu flüchten. Nachdem er sich Mut angetrunken hat, nähert sich der 60-Jährige an der Oberbaumbrücke im Ost-Berliner Bezirk Friedrichshain der Sektorengrenze. Er betritt ein Betriebsgelände am Spreeufer und klettert unbemerkt auf einen Lastkahn, der dort festgemacht hat. Im Schutz der Dunkelheit springt er gegen 22.15 Uhr vom Schiff ins Wasser und schwimmt auf das gegenüberliegende West-Berliner Ufer zu.
Plischke, Horst
Am 19. November 1962 versucht der 23-jährige Horst Plischke von Potsdam nach West-Berlin zu flüchten. In den frühen Morgenstunden steigt er nördlich der Glienicker Brücke ins Wasser der Havel, um an das gegenüberliegende West-Berliner Ufer zu schwimmen. Doch gegen 3.30 Uhr entdecken DDR-Grenzsoldaten seinen Fluchtversuch.
Reck, Otfried
Otfried Reck ist 17 Jahre alt, als er mit seinem Freund Gerd P. von Ost- nach West-Berlin flüchten will. Ihr Plan sieht vor, über die unterirdisch verlaufenden Gleise der Nord-Süd-Bahn in den anderen Teil der Stadt zu gelangen.
Wiedenhöft, Günter
Günter Wiedenhöft ist 20 Jahre alt, als er im Dezember 1962 von Potsdam nach West-Berlin flüchten will. Wenige Tage zuvor hat ihn ein Ost-Berliner Gericht wegen "versuchten illegalen Verlassens der DDR" zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Bevor er die Strafe antreten muss, unternimmt der junge Mann noch einmal den Versuch, die Sperranlagen nach West-Berlin zu überwinden.