15. Todesopfer an der Berliner Mauer

Peter Fechter

Mindestens 136 Menschen werden zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer getötet oder kommen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben (Stand: September 2008).

Darunter befinden sich

  • 98 DDR-Flüchtlinge, die beim Versuch, die Grenzanlagen zu überwinden, erschossen wurden, verunglückten oder sich das Leben nahmen,

  • 30 Menschen aus Ost und West ohne Fluchtabsichten, die erschossen wurden oder verunglückten,

  • 8 im Dienst getötete DDR-Grenzsoldaten, die durch Fahnenflüchtige, Kameraden, Flüchtlinge, einen Fluchthelfer sowie einen West-Berliner Polizisten ums Leben kamen.


Ernst Mundt, erschossen am 4. September 1962

Darüber hinaus verstirbt eine unbekannte Anzahl zumeist älterer Reisender aus Ost und West vor, während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen vornehmlich an den Folgen eines Herzinfarktes; mehr als 50 von ihnen sind bis heute namentlich bekannt (Stand: September 2008).

Die Anzahl der Menschen schließlich, die aus Kummer und Verzweiflung über die Auswirkungen des Mauerbaus und der deutschen Teilung auf ihre individuellen Lebensverhältnisse sterben, ist bis heute nicht erfasst.

Der 16-jährige Wolf-Olaf Muszynski wird von West-Berliner Polizisten tot geborgen, 1. April 1963.

Tötungen und Morde an der Berliner Mauer - wie an der innerdeutschen Grenze, der Ostsee und den außerdeutschen DDR-Grenzen - sind die Spitze der Gewalt, die von der DDR-Grenzsicherung ausgeht. Die SED-Führung nimmt das Töten billigend in Kauf. Doch ihr ist auch bewußt, dass Schüsse und Tote an der Grenze - vor allem zu Zeiten der Entspannungspolitik - der DDR in der internationalen Öffentlichkeit keinen guten Ruf bescheren. Deshalb versucht sie gemeinsam mit Grenztruppen und Staatssicherheitsdienst, Todesfälle wann immer möglich zu verheimlichen und zu verschleiern.

Willi Block, erschossen an der Berliner Mauer: DDR-Grenzsoldaten bergen den Getöteten, Aufnahme der West-Berliner Polizei, 7. Februar 1966

Selbst Leichname lässt die Staatssicherheit spurlos verschwinden. Die Wahrheit über die Todesumstände ihrer Angehörigen erfahren die Familien oft erst in den 1990er Jahren - nach der Öffnung der DDR-Archive und im Zuge der strafrechtlichen Ermittlungen gegen die Gewalttaten an der Grenze.


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