Chronik

Dezember 1990

Mauerdenkmal am Griebnitzsee bei Potsdam

1. Dezember: Nachdem die Mauer im Berliner Stadtgebiet fast vollständig verschwunden ist, werden die Abrissarbeiten am Außenring, der jetzt die Grenze zwischen den beiden Ländern Berlin und Brandenburg bildet, fortgesetzt und erst in der zweiten Jahreshälfte 1992 abgeschlossen. An der Berlin-Brandenburgischen Grenze ist der Abriss nahezu komplett, es bleiben nur einzelne Mauersegmente und unter anderem einige hundert Meter Streckmetallgitterzaun, vier Führungsstellen, mehrere Dutzend Bogenlampen und einige Kilometer Kolonnenweg erhalten.
Insgesamt sollen beim Abbau der Berliner Grenzsicherungsanlagen 180.000 Tonnen Beton, 6.000 Tonnen Schrott, 15.000 Tonnen Asbest, 3.000 Tonnen Kunststoffe sowie 100 Tonnen Holz, Dämmstoffe u.a. an Abrissmaterialien angefallen sein.

Grenzzaunpfostenreihe in der Nähe von Seehof bei Teltow

Die Grenzmauer wird mit Hilfe von Schreddern zertrümmert, die nur 20 Sekunden benötigen, um ein Mauersegment in Schotterstücke zu zerkleinern. Die geschredderte Mauer findet als Unterbau für neue Wege und Straßen Verwendung.

Gegen den 78jährigen ehemaligen DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker wird am 1. Dezember Haftbefehl erlassen. Aktenfunde in DDR-Archiven belegen, dass Honecker für den Schießbefehl an der Berliner Mauer und an der innerdeutschen Grenze verantwortlich war. Honecker befindet sich zu diesem Zeitpunkt in sowjetischer Obhut im Militärhospiz Beelitz bei Berlin. Wenig später wird er zusammen mit seiner Frau Margot bei Nacht und Nebel nach Moskau ausgeflogen.

Streckmetallgitterzaun als Hinterlandsicherung am Groß Glienicker See

2. Dezember: Im vereinten Deutschland finden die ersten freien gesamtdeutschen Wahlen seit 1933 statt. Die CDU/CSU erreicht fast 44 Prozent der Wählerstimmen. Die SPD kommt landesweit nur auf 33,5 Prozent und die FDP 11 Prozent. Aufgrund der getrennten Fünf-Prozent-Klausel schaffen die PDS mit 11 Prozent und das Bündnis 90/Grüne mit 6 Prozent der Stimmen in den neuen Bundesländern den Einzug in den Bundestag, obwohl die Grünen in den alten Bundesländern mit 4,8 Prozent und die PDS mit 2,4 Prozent an der Sperrklausel scheitern.

15. Dezember: Zum letzten Mal wird die "Aktuelle Kamera", die Nachrichtensendung des DDR-Fernsehens, ausgestrahlt. Die Frequenzen des DDR-Fernsehens gehen an die ARD über.

Kolonnenweg mit Lichttrasse im früheren Todesstreifen bei Schönefeld


19. Dezember: Wegen der Vorwürfe, er habe als inoffizieller Mitarbeiter für die Staatssicherheit (Deckname "Czerni") gearbeitet, erklärt der ehemalige Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, seinen Rücktritt als Bundesminister für besondere Aufgaben.

20. Dezember: Im Berliner Reichstagsgebäude konstituiert sich das erste frei gewählte gesamtdeutsche Parlament seit 1933. Alterspräsident des 12. Deutschen Bundestages ist der SPD-Ehrenvorsitzende Willy Brandt.

Mauerdenkmal an der früheren Grenze zwischen Glienicke-Nordbahn und Berlin-Frohnau



31. Dezember: In seiner Ansprache zum Jahreswechsel führt Bundeskanzler Helmut Kohl aus: "Liebe Landsleute! Das Jahr 1990 wird uns als eines der glücklichsten in der deutschen Geschichte in Erinnerung bleiben. In freier Selbstbestimmung haben wir Deutschen die staatliche Einheit unseres Vaterlandes vollenden können – ohne Gewalt und Blutvergießen, in vollem Einvernehmen mit allen unseren Nachbarn. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass wir heute in einem vereinten Deutschland den Silvesterabend gemeinsam feiern können? Wir haben allen Grund, uns darüber von Herzen zu freuen."