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Todesfälle infolge Gewaltakts an der innerdeutschen Grenze und Todesopfer bei der Flucht aus der DDR (einschließlich Berlins)


Über die Zahl der Toten an der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze gibt es bis heute unterschiedliche, stark voneinander abweichende Zahlenangaben.

Im folgenden sind drei maßgebliche Statistiken dokumentiert, die jeweils verschiedene Kriterien anwenden und entsprechend zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. In der Zählung der Berliner Staatsanwaltschaft sind ausschließlich die Todesfälle erfasst, die nachweislich auf einen Gewaltakt der Grenzsicherungskräfte der SBZ/DDR zurückgeführt werden können. Die Zentrale Ermittlungsgruppe für Regierungs- und Vereinigungskriminalität (ZERV) dagegen hat in ihrer Statistik alle Verdachtsfälle auf Tötungen durch die bewaffneten Kräfte der DDR registriert, die ihr mitgeteilt wurden. Die Berliner Arbeitsgemeinschaft 13. August wiederum registriert in ihrer Statistik nach eigenen Angaben alle, die im Zusammenhang mit dem Grenzregime ums Leben gekommen sind, wobei zweifelhaft bleiben muss, ob sich diese Zahl tatsächlich ermitteln lässt.

Nachweisliche Todesfälle an der SBZ/DDR-Grenze - einschließlich Berlin - infolge Gewaltakts (Staatsanwaltschaft Berlin)

bis 1960 ab 1961 gesamt
Schußwaffe/sonstiger Gewaltakt durch Grenzsicherungskräfte 101 136 237
davon
Grenzkdo. Mitte (Berlin) 23 86 109
Grenzkdo. Nord 45 26 71
Grenzkdo. Süd 33 24 57
Minendetonation (Erdminen/SM-70) - 33 33
davon
davon Grenzkdo. Nord - 18 18
Grenzkdo. Süd - 15 15
Gesamtzahl 101 169 270

Quelle: Staatsanwaltschaft Berlin, Stand: 9. Juni 2000


Erläuterung der Staatsanwaltschaft Berlin:

Die Staatsanwaltschaft erfasst in ihrer Datei alle dienstlich bekanntwerdenden Vorfälle, bei denen Flüchtlinge oder sonstige so genannte „Grenzverletzer" an der ehemaligen Demarkationslinie/Staatsgrenze der SBZ/DDR zu Tode gekommen sein sollen (einschließlich Fälle des Auffindens von Wasserleichen) und überprüft, ob im Einzelfall ein Anfangs-Verdacht für ein strafrechtlich relevantes Verhalten Dritter besteht; entsprechend der spezifischen Aufgabenstellung der Behörde strafrechtliche Ermittlungen nur auf dieser Basis und nur in diesem Rahmen.

In der speziellen „Liste der Grenztoten" gezählt werden hier daher nur solche Todesfälle an der innerdeutschen Grenze einschließlich Berlin, die nachweislich auf einem Gewaltakt seitens der DDR-Grenzsicherungskräfte beruhen (primär Tötung durch Schusswaffengebrauch oder durch Minenexplosion), diese Gesamtzahl der nachweislichen Opfer von Gewaltakten ist daher wesentlich geringer als die Gesamtzahl der erfassten Verdachtsfälle von Tötung.


Statistische Erfassung aller Grenz- und Mauertoten (ZERV)

bis 1960 ab 1961 gesamt
Innerstädtische Grenze Berlin 11 79 90
Ring um Berlin 19 43 62
Innerdeutsche Grenze 116 132 248
Ostsee 8 - 8
Sonstige Grenze (CSSR/Polen) 5 8 13
Gesamt 159 262 421

Quelle: Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität (ZERV), Stand: 2000

Todesopfer bei der Flucht aus der DDR (Arbeitsgemeinschaft 13. August)

vor 13.08.1961 ab 13.08.1961 gesamt
Berliner Grenze/Mauer 16 238 254
innerdeutsche Landgrenze 105 267 372
Ostsee 15 174 189
Grenze von Bulgarien, CSSR, Polen, Ungarn (nur DDR-Bürger) 4 43 47
Sonstige Fluchtwege (Flugzeugentführung, Warenexport, Transitwege) 0 7 7
Angehörige des DDR-Grenzdienstes bei der Fluchtabwehr 11 16 27
Sowjetische Fahnenflüchtige 11 10 21
Flugzeugabschüsse im Grenzgebiet 18 3 21
Sonstige 12 7 19
Gesamt 192 765 957

Quelle: Arbeitsgemeinschaft 13. August, Bilanz der Todesopfer des DDR-Grenzregimes, Stand: 2000