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Günter Mittag auf einer SED-Politbürositzung (Auszug), 29. August 1989


Günter Mittag auf der SED-Politbürositzung, 29. August 1989

Abschrift

SED-Politbürositzung (Auszug), 29. August 1989


Genosse Mittag:

Es ist gut, dass es eine umfassende Aussprache gegeben hat. Das Bedürfnis ist da, sich zu verständigen. Ich möchte auch manchmal den Fernseher zerschlagen, aber das nützt ja nichts.

Die Stärkung der DDR gehört auf allen Gebieten an die 1. Stelle – und das aus ganz prinzipiellen Gründen. Wir haben trotz Hetze und aller Angriffe bewußt die Leistungen der Werktätigen der DDR veröffentlicht. Die Information zur Plandiskussion aus der letzten Politbürositzung muß man einfach zur Kenntnis nehmen und weiter auswerten. Deswegen auch der Leitartikel im ND [Neues Deutschland, d. Hg.] dazu. Wir werden weitere Leistungen veröffentlichen, um zu zeigen, dass es vorangeht. Wir müssen die Beschlüsse durchführen, z. B. zur Versorgung. Ausgangspunkt ist immer der Sozialismus in der DDR. Von dieser Position müssen wir den Stoß gegen die Feinde führen, die den Sozialismus angreifen. Die DDR ist Bollwerk des Sozialismus und des Friedens. So haben wir es immer gesagt. Darauf müssen wir die Wachsamkeit, die Sicherheit und alles andere konzentrieren. Das ist doch eine weitsichtige Einschätzung unserer Partei gewesen.

Die Sache mit Ungarn ist doch nicht zufällig vorbereitet worden. Das ist ein Angriff an der schwächsten Stelle, um auch die DDR in Mißkredit zu bringen. Genosse Mielke könnte eine Stunde und länger erzählen, welche Mittel dafür eingesetzt wurden. Dazu kommt die Frontberichterstattung des Gegners, wie wir das völlig richtig bezeichnet haben.

Wir müssen in den Hauptpunkten die Gebrechen des Imperialismus zeigen. Wir müssen entlarven, wo er den Sozialismus unterwühlen will. Aber die Grundlinie ist: Wir tun das souverän und führen keinen Schlagabtausch. Das hat sich bewährt. […]

Quelle: Bundesarchiv, DY 30/IV 2/2039/76, Bl. 53/54.