Todesopfer an der Berliner Mauer

Peter Fechter, erschossen an der Berliner Mauer: Hilflos im Todesstreifen verblutend, 17. August 1962

Mindestens 138 Menschen wurden zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer getötet oder kamen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben. Darüber hinaus verstarben mindestens 251 Reisende aus Ost und West vor, während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen. In diesen Angaben nicht erfasst ist die unbekannte Anzahl von Menschen, die aus Kummer und Verzweiflung über die Auswirkungen des Mauerbaus auf ihre individuellen Lebensverhältnisse starben.

Dies ist der aktuelle Stand des gemeinsamen Projekts der Gedenkstätte Berliner Mauer und des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam, das vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert wird. Das Vorhaben erfasst alle verfügbaren Angaben zu Todes- und Verdachtsfällen. Grundlage sind zum einen amtliche und publizierte Todesopfer-Listen. Zum anderen stützt sich die Untersuchung auf eigene, umfassende Quellenrecherchen und Zeitzeugengespräche. Insgesamt wurden 575 Fälle erfasst und geprüft.

Bislang existierten mehrere Listen mit deutlich von einander abweichenden Zahlen: Je nach Art der Berechnung bewegen sich die Angaben zwischen 86 (Staatsanwaltschaft Berlin), mindestens 92 (Der Polizeipräsident von Berlin), 114 (Zentrale Erfassungsstelle Salzgitter), 122 (Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität) und weit mehr als 200 Todesopfern (Arbeitsgemeinschaft 13. August).

Ziel des Forschungsprojektes war es, dieses Defizit zu beheben und die Zahl der Todesopfer an der Mauer zu ermitteln, die Lebensgeschichten und Todesumstände aller Mauertoten durch solide Quellen zu dokumentieren. Auf diese Weise sind Portraits zu 138 Todesopfern entstanden (Stand: 6. November 2014), die an dieser Stelle zu finden sind.

Dem Projekt liegt eine doppelte Definition des Begriffs "Todesopfer an der Berliner Mauer" zugrunde: entweder ist ein Fluchthintergrund offensichtlich oder ein enger kausaler Zusammenhang mit dem Grenzregime sowohl zeitlich als auch räumlich gegeben.

Daraus ergeben sich fünf Fallgruppen:

  • Personen, die bei einem Fluchtversuch im Grenzgebiet von Angehörigen der bewaffneten Organe der DDR (in der Regel durch Schusswaffeneinsatz) getötet wurden oder durch Einwirkung von Elementen der Grenzanlagen (beispielsweise Minen) zu Tode gekommen sind,

  • Personen, die bei einem Fluchtversuch im Grenzgebiet ohne Fremdeinwirkung durch einen Unfall gestorben sind (z. B. durch Stürze, Ertrinken, Herzversagen, Ersticken etc.),

  • Personen, die unabhängig von einer Flucht im Grenzgebiet aufgrund von Handeln oder Unterlassen staatlicher Organe der DDR verstorben sind (z.B. Bundesbürger und West-Berliner, die die Staatsgrenze der DDR "verletzten", in dem sie über Mauer und Grenzanlagen kletterten, oder DDR-Bürger, die versehentlich für Flüchtlinge gehalten und erschossen wurden),

  • Angehörige der Grenztruppen, die im Zusammenhang mit Fluchtaktionen im Grenzgebiet getötet wurden,

  • Personen, die durch oder bei Handlungen der Grenzorgane zu Tode kamen, z.B. bei einer Kontrolle.


Entscheidend ist die Verbindung des Todesfalls mit einer Fluchtaktion oder einem direkten oder mittelbaren Verursachen bzw. Unterlassen von Grenzorganen im Grenzgebiet.



(Zuletzt aktualisiert am 6. November 2014)